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Leverkusen
Mehr als 50 Erzieher fehlen in den Kitas

Leverkusen. Elf Kindergartengruppen mit insgesamt 170 Plätzen können wegen fehlenden Personals nicht an den Start gehen. Von Susanne Genath

Die Personalnot in den städtischen Kindergärten ist groß. So groß, dass Jugenddezernent Marc Adomat den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses gestern gestand: "Wir greifen nach jedem Strohhalm." Denn die Stadt beschäftige zwar schon 584 Erzieherinnen in den städtischen Kitas, dennoch seien aktuell 18 Fachkraftstellen nicht besetzt (acht davon Teilzeitstellen). Außerdem fehlten sechs Ergänzungskräfte (zwei davon in Teilzeit).

Die Folge: "Elf Kindergartengruppen mit insgesamt 170 Plätzen können nicht an den Start gehen, weil zusätzlich 24 Fachkräfte und sechs Ergänzungskräfte benötigt werden", sagt Adomat. Dazu gehöre die Kita "Schöne Aussicht" (ehemals "St. Anna") in Lützenkirchen, die nach der Renovierung demzufolge erst einmal leerstehen werde. Im kommenden Kindergartenjahr 2017/2018 werden laut Prognose deshalb 439 Plätze fehlen. Im vergangenen Jahr seien es 230 gewesen.

Gründe für die missliche Lage gebe es mehrere: Zum einen sei der Bedarf an Betreuungsplätzen - unter anderem durch Neubaugebiete und Flüchtlinge - gestiegen und mit einem Rechtsanspruch auf Betreuung versehen, zum anderen sei es nicht attraktiv, Erzieherin zu werden. Denn in drei der vier Ausbildungsjahre bekämen die jungen Menschen keine Vergütung, sondern müssten ihren Lebensunterhalt selbst bezahlen. "Wir als Stadt Leverkusen überlegen deshalb, ob wir die Ausbildung zum Teil mitfinanzieren", sagt Adomat. "Im Gegenzug müssten die fertigen Erzieher dann einige Jahre bei der Stadt Leverkusen arbeiten."

Vorerst versuche man, die personellen Lücken mit bekannten Mitarbeitern zu stopfen: "Wir sprechen verrentete Mitarbeiter an, ob sie auf Honorarbasis zurückkommen wollen", berichtet der Beigeordnete. "Und Mitarbeiter in Elternzeit werden gefragt, ob sie zu einer früheren Rückkehr bereit wären." Es sei sogar im Gespräch, Fachkräfte aus anderen Bundesländern - unter anderem über soziale Netzwerke wie Facebook - abzuwerben und ihnen in Leverkusen günstige Wohnungen bei der Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL) zur Verfügung zu stellen. Außerdem könne man sich vorstellen, interessierte Frauen und Männer als Ergänzungskräfte zu qualifizieren.

Neben den städtischen Kitas gibt es in Leverkusen 48 weitere Kindertagesstätten freier Träger sowie 85 Tagespflegestellen, die von Tagesmüttern oder -vätern betrieben werden (20 davon als sogenannte Großtagespflege mit jeweils bis zu neun Kindern). 5596 Betreuungsplätze stehen Kindern bis zur Einschulung stadtweit zur Verfügung.

Quelle: RP
 
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