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Leverkusen
Mehr Sicherheit für Klinikum-Patienten

Das Leverkusener Klinikum will mehr Sicherheit für seine Patienten
Leverkusen. Das städtische Krankenhaus hat Patientenarmbänder für alle eingeführt und ist jetzt dem Bündnis "Patientensicherheit" beigetreten. Von Susanne Genath

Drei bis fünf Prozent der Patienten erhalten in deutschen Krankenhäusern falsche Medikamente. Hinzu kommen Behandlungsfehler. Die dokumentierte Zahl fürs Leverkusener Klinikum, die sich als Haftpflichtfälle niederschlägt, will Dr. Jürgen Zumbé, der Ärztliche Direktor, nicht nennen, wohl aber: "Es gibt eine hohe Dunkelziffer. Und es gibt mehr Vermutungen von Behandlungsfehlern als tatsächliche Fehler. Am Ende kommt oft heraus, dass es kein Fehler war." Dennoch wolle das Klinikum die Sicherheitsmaßnahmen für Patienten steigern.

Dazu hat es nun Patientenarmbänder eingeführt, wie sie bislang von Babystationen bekannt sind. Die Plastikstreifen, auf denen der Name und ein Teil des Geburtsdatums vermerkt sind, machen Zumbé zufolge bei allen Patienten Sinn. Pro Jahr behandelt das Krankenhaus 36.000 stationäre und doppelt so viele ambulante Patienten. "Wenn Hektik herrscht, ein Patient kein Deutsch spricht oder gesundheitlich nicht in der Lage ist, sich zu orientieren, ist es hilfreich, wenn wir einen Patienten auch ohne seine Hilfe identifizieren können", sagt der Ärztliche Direktor. "Und die meisten Patienten finden das auch gut."

Vor etwa vier Wochen habe man die Plastik-Armbänder eingeführt. Noch gebe es Kinderkrankheiten. "Manchmal funktioniert der Drucker nicht richtig, manchmal klappt es nicht mit der Handhabung." Man sei aber zuversichtlich, in Kürze die Anfangsschwierigkeiten überwunden zu haben.

Apothekerin Julia Berndt bestückt und überwacht den Automaten, der die Pillen für die Patienten im Klinikum eintütet. FOTO: Ralph Matzerath

Weitere Neuerung: Damit möglichst keine Fehler bei der Medikamentengabe passieren, ist nun vorgesehen, dass jeder Patient bei seiner Aufnahme mit einer Apothekerin bespricht, welche Arzneien er bereits nimmt. So sollen Wechsel- und Nebenwirkungen vermieden werden. "Oft wissen die Patienten gar nicht den genauen Namen ihres Medikaments", berichtet Annegret Heintges, die Leitende Apothekerin am Klinikum. "Wenn wir aber genauer nachfragen, wofür oder wogegen sie es nehmen, können wir es aufgrund unserer Erfahrung herausfinden." Ohnehin sei das Leverkusener Krankenhaus schon seit rund 20 Jahren führend in der Verteilung der Tabletten an Patienten.

"Sie werden bei uns nicht von der Nachtschwester in einer freien Minute in die Dosierungsbehälter gefüllt, sondern automatisch unter der Kontrolle einer Apothekerin." Heraus kämen kleine Tüten mit ein oder mehreren Tabletten, auf denen neben dem Namen des Patienten auch der Einnahmezeitpunkt sowie der Inhalt der Tüte vermerkt sind.

"So etwas gibt es in 90 Prozent der übrigen Krankenhäuser in Deutschland nicht." Dabei helfe dieses System sehr gut, Fehler zu vermeiden. "Auf den Stationen können die Schwestern gar nicht erkennen, ob ihre Kollegin eventuell falsche Tabletten in einen Dosierungsbehälter gegeben hat, weil die meisten Tabletten weiß und rund sind." Eine Unterscheidung sei nur für sehr geübte Augen möglich. Anfang nächsten Jahres will das Klinikum außerdem eine neue Verordnungssoftware einführen, damit die behandelnden Ärzte sofort am Computer sehen können, welche Medikamente wem verabreicht werden.

Darüber hinaus ist das städtische Krankenhaus jetzt dem Aktionsbündnis "Patientensicherheit" beigetreten, einem bundesweit tätigen Verein, der unter anderem von Krankenkassen, Krankenhäusern, Patientenorganisationen und Einzelpersonen getragen wird. "Indem wir über die Erfahrungen und Fehler anderer Häuser informiert werden, können wir Risiken vorbeugen", sagt Zumbé.

Einen Hackerangriff auf die Krankenhausdaten - wie dieses Jahr in einem Neusser Krankenhaus passiert - hält Dr. Hubertus Bürgstein, der Qualitätsmanager des Klinikums, für unwahrscheinlich. "Die Bedrohungslage wird zwar ständig größer", berichtet er. "Aber wir sind relativ gut vor Zugriffen von außen geschützt."

Ein Video gibt es im Internet unter: www.rp-online.de/leverkusen

Quelle: RP
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