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Leverkusen
Menschenkette gegen Raststätte

Leverkusen: Menschenkette gegen Raststätte
Hörte in Lützenkirchen gut zu: Ursula Heinen, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. FOTO: Marius Becker
Leverkusen. Die Bürgerinitiatvie "Lev kontra Raststätte" ist weiterhin schwer aktiv. Besucherin Ursula Heinen wurde erklärt, dass der vorgelegte Kostenentwurf unrealistisch sei. Außerdem würden naturschutzrechtliche Belange missachtet. Von Gabi Knops-Feiler

Als Ursula Heinen am Montagabend den erlösenden Satz sprach, erntete sie viel Applaus im voll besetzten Lützenkirchener Pfarrsaal. Sie könne es zwar nicht völlig garantieren, sagte die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, aber "wenn naturschutzrechtliche Belange so massiv missachtet werden, kann es diesen Standort hier nicht geben." Sie bezog sich dabei auf die gesetzlich vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsuntersuchung (UVU), mit der Auswirkungen von Vorhaben – in diesem Fall der Raststätte an der A1 in Lützenkirchen – im Vorfeld festgestellt, beschrieben und bewertet werden. Sobald "Ansprüche und Kriterien der UVU nicht eingehalten werden", so die CDU-Politikerin, könne der Plan zurückgewiesen werden.

Vom Sterben bedrohte Landschaft

Zuvor hatte sie die Ausführungen von Landschaftsarchitekt Sven Peuker verfolgt. Er nahm die Anwesenden samt Peter Westmeier und Mitstreiter von der Bürgerinitiative "Lev kontra Raststätte" bei der zweiten Bürgerversammlung mit – auf einen bebilderten "Spaziergang durch einen vom Aussterben bedrohten Landschaftsteil". Und ließ dabei kein gutes Haar an dem vorgelegten Gutachten von Straßen.NRW. Peuker monierte unter anderem, dass "die Artenliste aus veraltetem Kartenmaterial zusammengetragen" wurde. Weder dort lebende Tiere wie Sperber oder Bussard, noch vorkommende Pflanzen wie eine 150 Jahre alte Rotbuche oder gar das Biotop am Hufer Weg seien erwähnt.

Er verdeutlichte: Sollte die Rastanlage gebaut werden, würden Arten unwiederbringlich verschwinden und die Straße "Wüste" nach dem Eingriff "schlichtweg tot" sein. Die Landschaft sei zwar "winzig klein, aber wegen ihrer Vielfalt etwas Besonderes". Das Gutachten sei ein "Planungsunfall" und somit "nicht brauchbar", resümierte Peuker. Und weiter: "Der Landesbetrieb kommt mit der Untersuchung zu keinem Treffer".

Bauingenieur Lutz von Waldowski kritisierte unter anderem den vorgelegten Kostenentwurf. Die genannten Zahlen von 15 Millionen Euro seien keinesfalls real, sagte er, da alleine für notwendige Erdbewegungen von rund 5000 Kubikmetern mindestens fünf bis sieben Millionen Euro zusätzlich veranschlagt werden müssten.

Weitere Aktionen geplant

Der Ausbau der Raststätte an der A 1 in Remscheid sei "auf jeden Fall kostengünstiger". Seine persönliche Prognose: Wenn der Standort Lützenkirchen realisiert werden sollte, dann sei ein Sanierungsfall programmiert. Damit es gar nicht erst so weit kommt, sind weitere Aktionen geplant. Unter anderem eine Menschenkette am Samstag, 19. Mai, rund um den Bereich der geplanten Raststätte.

(kno)
 
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