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Leverkusen
Michael Korstick präsentierte unvergleichlichen Liszt

Leverkusen. Das Programm werde in Erinnerung bleiben, prophezeite Horst Scholz von KulturStadtLev im Spiegelsaal. Der zehnteilige Zyklus "Harmonies poétiques et religieuses" von Franz Liszt ist am Stück nicht so leicht zu bekommen. Das Werk stellt höchste Ansprüche an den Pianisten und dauert immerhin 80 Minuten.

In Erinnerung bleibt der Klavierabend aber vor allem wegen des außergewöhnlichen Spiels von Michael Korstick. Der mehrfach ausgezeichnete Pianist, der nicht zum ersten Mal in Leverkusen gastierte, vereint Musikalität, Stilsicherheit und ausgefeilte Technik. Er hat eine erstaunliche Kondition, hämmert kraftvoll und eindringlich Akkordketten in die Tasten, um sie bald darauf zu streicheln, wenn er auf Samtpfoten lyrische Linien und innigste Momente zaubert.

Beide Extreme erlebte das Publikum des Recitals im Schloss Morsbroich und dazwischen außerdem noch so viele Facetten des Ausdrucks. Michael Korstick durchlebte die Komposition, die er kürzlich auch auf CD eingespielt hat. Auswendig, also ohne jegliche Ablenkung durch Notenbild und Blättern, vollkommen konzentriert auf die musikalische Aussage. Dass es ihm dabei gelang, die Spannung länger als eine Stunde bis zum letzten Ton zu halten, ist ein kleines Wunder. Diese durchweg knisternde Anspannung war tatsächlich den ganzen Abend über zu spüren, sogar die üblichen Huster wurden weitgehend unterdrückt. Und statt sich nach dem heftigen Applaus in den wohlverdienten Feierabend zurückzuziehen, setzte sich Korstick erneut an den Flügel. Liszts ebenso emotionales wie kraftraubendes Mammutwerk hatte offenbar so viel Adrenalin freigesetzt, dass der Pianist gar nicht aufhören konnte und drei ganz unterschiedliche und zauberhaft gespielte Zugaben nachreichte - zum Runterkommen nach einem unvergesslichen Hörerlebnis.

Zur Einstimmung hatte Michael Korstick ein spätromantisch dominiertes Kurzprogramm gespielt, als komponierte Einheit in einem Block. Zwischen die drei Teile von Claude Debussys lautmalerischen "Estampes" setzte er einen sinnlichen Satz von Charles Koechlin und ein modernes Nocturne von Thomas Böttger. Der Komponist dieser zarten und emotionalen Nachtmusik mit kurzen, heftigen Ausbrüchen saß bei dieser Aufführung im Publikum.

(mkl)
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