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Leverkusen
Millers Superbass

Leverkusen: Millers Superbass
FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Die Könige des E-Basses trafen sich bei den Jazztagen im Forum. Der Abend war spektakulär, manches soff aber auch spektakulär ins Nichts ab. Von Olaf Weiden

Könige des E-Basses trafen sich zum "Superbass III"-Gipfel im Forum zu den Jazztagen, Vertreter aus Amerika, Afrika und Europa. Die WDR Big Band portraitierte den Mann aus Kamerun, Richard Bona, mit einem eigens arrangierten Konzertabend. Marcus Miller, alljährlicher Gast aus den USA in der Farbenstadt, räumte allerdings mit fetten vertrauten Beats am Ende ab: Das machte den Forum-Gästen richtig Spaß.

Der europäische Starbassist Jonas Hellborg, der im Kreise Brecker, McLaughlin, Cobham und immer wieder Ginger Baker hoch im Kurs stand, war aus technischen Gründen in den Agamsaal als Pausenfüller verbannt. Er kauerte mit "bläcke Föös" auf einem Stuhl, was aber nur die ersten drei Reihen sehen konnten, da der Saal unbestuhlt war. So bot Hellborg ein Hörkonzert - das hätte mit geringem Aufwand anders aussehen können.

Die WDR Big Band hatte alles dafür getan, optimale Voraussetzungen für den Gast Bona zu schaffen. So war der Grammy-nominierte langjährige Spezial-Arrangeur Vince Mendoza mit dem Projekt betraut und ein Perkussionist dazu bestellt worden, und Bona selbst wurde zentral platziert in den gewaltigen Bühnenaufbau, den ein solches Jazzorchester benötigt. Leider funktionierte die Präsentation im Zuschauerraum nur optisch, denn der Sound des Orchesters war so mickrig aufgefahren, das die Band zwar im Tutti laut sein konnte, aber nie die gewohnte Fülle einer Big Band wiedergab.

Und auch Richard Bona soff in einem Solo spektakulär ins Nichts ab, jede filigrane Arbeit wurde nicht nach vorn transportiert. Das war sehr schade, denn so wurde dieser wunderbare afrikanische Musiker, der vor rund zwanzig Jahren erstmals mit Joe Zawinul Leverkusens Jazztage besuchte und für Furore sorgte, in seiner umfassenden großen Musikalität gar nicht erfahrbar. Zerbrechlichem afrikanischen Gesang, denn Bona besingt seine Heimat mit zarter Seele, antwortete teilweise harter Trompetenstrahl - es hätte vieles schöner sein können, aber: Dank der erlesenen Ingredienzen inclusive der tollen Solisten im WDR-Kader lieferte das Team ein Konzert, das im Mitschnitt durch den Sender vielleicht viel besser klingt.

Die Präsenz, die lockere popige Art der Präsentation, die unverschnörkelte groovige Musik und spektakuläre charaktervolle Solisten wie Mino Cinelu oder der Meister selbst am slappenden E-Bass ließen die diesjährige Band von Marcus Miller sehr frisch und energiegeladen wirken.

Es war natürlich nach der komplexen Bona-Dusche ein Bad in einfachen Strukturen, wo Themen abgespult und dann die Soli aufgereiht werden. Miller wandert über die Bühne und holt die Improvisationen persönlich bei seinen Sidemen ab, das motiviert zusätzlich.

Es fiel auf, dass die angekündigten Besetzungslisten in den Jazzgruppen weitgehend Bestand haben. Das war früher ganz anders. Bands sind wohl wieder angesagt, mehr als kurzfristige Projekte.

Die Miller-Band führte in Leverkusen eine richtige kleine Musikshow auf, mit einstudierten Auf- und Abgängen der Bläser, mit einer Miller-moderierten Zeitreise in dessen Jugendzeit, mit Beispielen seiner beliebtesten Bass-Lines: Da wurde manches Hüftgelenk unruhig.

Quelle: RP
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