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Leverkusen
Minister Gröhe warnt vor Wirkstoff-Engpass

Leverkusen. Im Chempark erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, dass die Pharma-Industrie in Deutschland eine Zukunftsbranche sei. Von Susanne Genath

Bis ein neues Medikament in der Apotheke erhältlich ist, dauert es. "Von 10.000 Substanzen schafft es eine nach neun bis zehn Jahren zur Marktreife", sagt Frank Schöning, Geschäftsführer des Unternehmens Bayer Vital. "Bis dahin sind bis zu zwei Milliarden Euro investiert worden." Und wenn das Unternehmen Pech hat, muss es das Medikament dann wieder vom Markt nehmen. So wie jüngst das Mittel "Regorafenib" (Stivarga) zur Behandlung von Dickdarmkrebs. Dem Bayer-Medikament, das eine auf zwei Jahre befristete Zulassung erhalten hatte, war nach Ablauf der Zeit kein Zusatznutzen zugesprochen worden. Eine für das Unternehmen nicht nachvollziehbare Entscheidung.

Es hatte gestern mit dem Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) unter dem Titel "Innovationen für ein besseres Leben - Bayer als Treiber für Innovation und Wertschöpfung in Deutschland" zu einer Podiumsdiskussion am Firmenstandort in Leverkusen eingeladen. "Befristete Genehmigungen von Medikamenten sollen Innovationen fördern", erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vor den knapp 200 Gästen. Sie würden erteilt, wenn nicht schon alle erforderlichen Daten vorlägen. Grundsätzlich sei es wichtig, dass gerade im Pharmabereich intensiv weitergeforscht werde. "Für zwei Drittel der heute bekannten Krankheiten gibt es noch keine Therapie", sagte Gröhe.

Demzufolge sei es das Ziel, Deutschland als Entwicklungs- und Produktionsstandort für Medikamente zu stärken. "Wir wollen eine nachhaltige Finanzierung eines solidarischen Gesundheitswesens." Die Patienten sollen "uneingeschränkt am medizinischen Fortschritt teilhaben, auch die gesetzlich Versicherten". Früherkennung von Krankheiten helfe, hohe Behandlungskosten zu vermeiden. Weitere Herausforderungen: die zunehmenden Resistenzen gegen Antibiotika und damit die Notwendigkeit, neue Antibiotika zu finden - sowie die Gefahr von Lieferengpässen, weil bestimmte Wirkstoffe nur in bestimmten Ländern produziert werden.

Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des VfA, zeigte sich zufrieden mit dem vor kurzem beendeten Pharma-Dialogs mit der Bundesregierung und der Vereinbarung, einheitliche Anforderungen für Medikamenten-Zulassungen zu erarbeiten. Sie forderte jedoch, Fachkompetenz unter anderem von Ärzten noch stärker bei der Bewertung von Medikamenten einzubeziehen. Frank Löllgen, Landesbezirksleiter der IG BCE, wies auf den drohenden Fachkräftemangel hin. Und auf eine nötige Ethikdiskussion, wenn Krankheiten durch Gen-Veränderungen verhindert werden können.

Quelle: RP
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