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Leverkusen
Mit der Gitarre nach Südamerika gereist

Leverkusen. Mit ausgesprochen kraftvollem Spiel hatten Shu Li und Dmitry Gladkov die Saison der Konzerte Leverkusener Musiker (KLM) vor drei Wochen im Erholungshaus eröffnet. Jetzt können vier Hände auf einer Tastatur naturgemäß deutlich mehr Sound erzeugen als ein einzelner Gitarrist. Und dennoch war die zweite KLM-Matinee im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich nicht weniger temperamentvoll. Denn dort spielte José Fernández Bardesio, ein sowohl feuriger als auch gefühlvoller Südamerikaner, der für sein Programm "Americas" ausschließlich Musik seines Herkunftskontinents gewählt hatte. Von Monika Klein

So führte er sein Publikum durch verschiedene Länder, in denen Gitarrenmusik eine bedeutsame Rolle spielt. Unter anderem gab es einen Stopp in Bardesios Heimat Uruguay mit eigenen Kompositionen des Solisten, dessen Stücke in Deutschland verlegt wurden.

Absolut packend war Bardesios glühendes und enthusiastisches Spiel, insbesondere mit vertrackter Rhythmik und durch perkussive Elemente. Drei argentinische Tänze in unterschiedlichen Charakteren hat der Argentinier Alberto Ginastera eigentlich für Klavier komponiert. José Fernández Bardesio hat die Charakterstücke bearbeitet und damit für sein Instrument spielbar gemacht. Ebenso adaptierte er Bandoneon-Musik von Astor Piazolla, dem bedeutendsten Erneuerer des Tangos und Schüler des nur wenig älteren Alberto Ginastera. Die Begeisterung für Jazz und die Musik Johann Sebastian Bachs beeinflusste Piazolla, der als Begründer des Tango Nuevo gilt. Mit zwei seiner bekanntesten Werken aus den frühen 1970er Jahren gab Bardesio ein erstes, vorzeitiges Finale. Ausdrucksvoll und eher introvertiert verzauberte er die Besucher mit dessen Oblivion, von dem es mittlerweile die unterschiedlichsten Instrumentalbearbeitungen gibt. Heiße Leidenschaft dagegen charakterisierte den "Libertango".

Der erste Programm-Trip führte nach Brasilien, wo Heitor Villa-Lobos Anfang des 20. Jahrhunderts folkloristische Elemente in eine virtuosen Gitarren-Préludes mischte. Und von dort aus ging die Reise ins benachbarte Paraguay, wo Augustin Barrios Mangoré ungefähr zeitgleich die europäische Musik studierte und sich dadurch zu eigenen Werken inspirieren ließ.

Als ehrfürchtige Hommage an Johann Sebastian Bach ist sein dreisätziges Werk "La Catedral" zu verstehen, das mit einem munter verspielten Preludio beginnt. Nach einem andächtig meditativen Andante religioso ließ Bardesio jubelnde Tonskalen über die Saiten jagen, die an Bachs kühn virtuose Orgelwerke erinnerten. Andererseits war Mangoré Chopin-Liebhaber, was ihn zu Walzer-Kompositionen veranlasste. Dreivierteltakt verband der Gitarrist eindrucksvoll mit südamerikanischem Flair.

Quelle: RP
 
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