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Leverkusen
Mit langem Atem und Humor eine Männer-Domäne erobert

Leverkusen. Als erste Frau gewann Louise Pollock auf der Posaune den Internationalen Aeolus Wettbewerb, diese Woche gastierte sie bei Bayer Kultur. Von Monika Klein

Wie ein Wirbelwind kommt die junge Musikerin auf die Erholungshaus-Bühne gestürmt, setzt das lange Instrument an die Lippen und führt in kürzester Zeit vor, welch erstaunliche Klänge so einer Tenorposaune zu entlocken sind. Rätselhaft bleibt, woher die zarte Person nach einem Sprint die erforderliche Luft holt. Doch die hat sie scheinbar unbegrenzt zur Verfügung. Und dann ist sie auch genauso schnell wieder in den Kulissen der Erholungshausbühne. Basta! Und genau so heißt auch das Stück für Posaune solo, das Volker Rabe 1982 schrieb und längst zum meistgespielten zeitgenössischen Werk für Posaunisten zählt.

Schließlich lässt sich damit in kürzester Zeit die eigene Leitung vorführen. Fanfarenklänge, Verfremdungen, Schüttellaute und Mehrstimmigkeit zum Beispiel. "Rabe hat uns mit vielen kleinen Geschenken gesegnet", sagt Louise Pollock lachend, als sie zurückkommt, um sich den jubelnden Applaus abzuholen. Die junge Ausnahmemusikerin, die als erste Frau den Internationalen Aeolus Wettbewerb in der Männer-Domäne Posaune gewonnen hat, spielt nicht nur göttlich, sie moderiert ihre Konzerte auch selbst, ganz natürlich und mit Humor. Zum Gastspiel bei Bayer Kultur hatte sie die Pianistin Mariya Kim mitgebracht, die für sie "die beste Begleiterin" überhaupt ist. Perfekt ist das Zusammenspiel der beiden Musikerinnen, denn sie atmen und empfinden gleich. Wenn die Pianistin bei der Aria des belgischen Komponisten Joseph Jongen etwa weiche Ton-Wellen über die Tastatur wogen lässt und die Posaunistin dazu mit großer Melodik verzaubert. Oder wenn beide gemeinsam in der folgenden Polonaise in wildes, rhythmisches Spiel ausbrechen. Mit einem frühklassischen Concerto von Georg Christoph Wagenseil hatten beide diesen außergewöhnlichen Kammermusikabend bei Bayer Kultur begonnen. Ausdrucksvoll mit vielen dynamischen Abstufungen, langem Atem und blitzsauberen Trillern des Blasinstruments, das sich wie eine Singstimme in die Ohren schmiegte. Frisch und mit überbordender Spielfreude dann der folgende Allegro-Satz.

Das Concertino für Posaune und Orchester von Ferdinand David fragt in drei Sätzen so ziemlich alles ab, was einen wirklich guten Posaunisten ausmacht. Deswegen sei es auch das Standardstück bei "Vorstellungsgesprächen" wenn eine Stelle ausgeschrieben sei, erklärte Louise Pollock. Die Kandidaten seien dabei hinter einem Vorhang verborgen, damit die Jurymitglieder im Orchester nur nach Gehör urteilen. So wohl auch an der Oper Göteborg, wo sie vor zwei Jahren Erste Soloposaunistin wurde. Hier in Leverkusen spielte sie natürlich ohne Vorhang und ohne Orchester, aber wunderbar einfühlsam begleitet von ihrer Lieblingspianistin, mit der als Zugabe noch ein "Schlaflied" intonierte.

Quelle: RP
 
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