| 00.00 Uhr

Leverkusen
Morsbroich: "Die Kuh ist noch nicht vom Eis"

Leverkusen. Museumsdirektoren aus NRW tagten im Schloss - und setzten ein Zeichen gegen das zunehmende Sparen an Kunst und Kultur. Von Monika Klein

Gestern tagten 25 nordrhein-westfälische Museumsdirektoren im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich. Der Standort war nicht zufällig gewählt, sondern als Symbol der Verbundenheit mit den Kollegen in dem Museum, dessen Existenz seit der Veröffentlichung des KPMG-Gutachtens im Februar auf dem Spiel steht. Sonst finden die zwei Treffen pro Jahr in Wuppertal statt, bei Initiator Dr. Gerhard Finckh, der vor seinem Wechsel ans Von-der Heydt-Museum Leiter des Museums Morsbroich war. Am Protest gegen das Gutachten haben sich die Museumsdirektoren unmittelbar nach Bekanntwerden beteiligt. Gestern formulierten sie nochmals, dass sie Beauftragung und Veröffentlichung des Prüfberichts verurteilen.

Leverkusen sei das erste ganz prominente Opfer einer beobachteten neuen Entwicklung, erklärte Prof. Dr. Stephan Berg nach der Veranstaltung und gemeinsamem Erinnerungsfoto. Ihn wählten die Kollegen zum Sprecher, der betroffene Museumsleiter Dr. Markus Heinzelmann und sein Team dürfen sich sowieso nicht öffentlich zur Sache äußern. Berg ist Direktor des Kunstmuseums in Bonn und befürchtet genau wie die anderen Teilnehmer, dass dieses Beispiel Schule machen könnte. Denn festzustellen sei ein wachsender Mainstream gegen sogenannte "Hochkultur". Zweitens mache sich ein neoliberales Denken breit, das keine Notwendigkeit sieht für Leistungen, die man selber nicht in Anspruch nimmt. Berg erinnerte daran, dass man das Museum Morsbroich 1951 bewusst gegründet habe, um moderne Kunst für die Bevölkerung erlebbar zu machen. Wohl wissend, dass sie mit einem solchen kulturellen Bildungsabgebot keine Gewinne erwirtschaften lassen. Was nun passiere, sei eine Umdrehung der Argumentation, wenn man Unwirtschaftlichkeit vorwerfe. KPMG macht Berg übrigens nicht dafür verantwortlich, denn Wirtschaftsprüfer müssten ihre Arbeit ja auf einer rein betriebswirtschaftlichen Ebene machen. Das Problem sei ein verhängnisvoller Zirkel, in dem sich jeder wegducke und die Verantwortung weiterschiebe. Die Bezirksregierung habe Leverkusen "nur" aufgefordert, Optimierungspotenziale zur Verbesserung der Stadtfinanzen aufzuspüren. Die Ausschreibung des Gutachtens lief über das Land NRW, das die Arbeit auch bezahlt. Die Bezirksregierung wasche die Hände in Unschuld, sie habe ja nur einen Vorschlag gemacht. Und die Kommune sage, sie beuge sich doch nur dem Druck von Bezirksregierung und Land. So weise jeder die Schuld von sich auf andere. "Wer ist verantwortlich?", fragen sich die anderen Museumsdirektoren, von denen jeder der nächste sein könnte. Hier werde erstmals in der NRW-Geschichte der Konsens gebrochen, der es Kommunen im Nothaushalt ermöglichen soll, ihre kulturelle Identität zu wahren. Außerdem fordern die Museumsdirektoren eine geregelte Ausweitung der Staatshaftung, um die gestiegenen Kosten für versicherungs-intensive Ausstellungen zu begrenzen. Der KPMG-Bericht wurde zwar vom Rat wegen handwerklicher Fehler zurückgegeben, aber: "Die Kuh ist noch nicht vom Eis!" Die Museumsleiter planen weitere koordinierte Aktionen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leverkusen: Morsbroich: "Die Kuh ist noch nicht vom Eis"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.