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Leverkusen
Motorradlärm - Anwohner im Bergischen protestieren

Leverkusen: Motorradlärm - Anwohner im Bergischen protestieren
Solche Leitpfosten hat die Stadt Wermelskirchen angeschafft, um den Motorradlärm wie auch die Geschwindigkeit auf beliebten Strecken zu messen. FOTO: Hertgen
Leverkusen. Weitere Sperrungen von Strecken für Motorradfahrer im Bergischen Land wird es derzeit aus rechtlichen Gründen nicht geben. Bis 2018 werden allerdings auf den beliebten Strecken Lärmdaten gesammelt. Danach soll in Workshops und Diskussionsrunden eine Lösung gefunden werden. Von Walter Schubert

Der kleine Saal im Bürgerzentrum Wermelskirchen war voll besetzt. Viele Bürger waren der Einladung der Stadt Wermelskirchen gefolgt, um über das Thema Motorradlärm zu diskutieren und Neues zu erfahren. "Es muss doch endlich etwas passieren", sagte Jürgen Steeger, Anwohner des Ortsteils Stumpf. "Am Wochenende, bei schönem Wetter, ist es unerträglich." Er hatte sich mit einem Aktionsvorschlag an alle Parteien im Stadtrat gewandt. "Auch auf Nachfrage habe ich bis heute keine Antwort erhalten", sagte er verärgert.

Doch untätig ist die Verwaltung Wermelskirchen nicht. Aktuell werden an neun beliebten Motorradstrecken Messungen vorgenommen. Zum Einsatz kommen Leitpfosten, die Geschwindigkeit und Lautstärke aufzeichnen und sogar nach Fahrzeugkategorien unterscheiden können. Diese Messungen sind bis ins Jahr 2018 geplant.

Dr. André Benedikt Prusa, Technischer Beigeordneter der Stadt Wermelskirchen, forderte die Bürger auf, weitere Stellen zu benennen, an denen gemessen werden sollte. "Die ersten Auswertungen haben uns überrascht", sagte Harald Drescher (Tiefbauamt Wermelskirchen). "Geschwindigkeit hat nicht zwingend etwas mit Lärm zu tun." Dies belegt er mit einer Grafik. Es gibt Motorradfahrer, die deutlich unter der erlaubten Geschwindigkeit durch eine Ortschaft fahren und dennoch mit ihrem Motorrad am hohen Lärmpegel beteiligt sind.

"Bauartbedingt", sagen die Motorradfahrer. "Ein Motorradmotor ist nicht gekapselt wie bei einem Pkw, und die meisten Auspuffanlagen sind legal." Trotz der Aufforderung durch Prusa, ruhig und vernünftig zu diskutieren, oder nachzufragen, waren die Emotionen deutlich spürbar. Die Anwohner sind betroffen, die Motorradfahrer fühlen sich angegriffen. Wie sollen diese beiden Gruppen zueinanderfinden? Die einen haben ein Recht auf Ruhe und Erholung, die anderen wollen die Freiheit, ihrem Hobby nachzugehen. "Das ist ein weiter Weg", sagte Jens Kunen von der Interessengemeinschaft Sundern im Hochsauerlandkreis. "Wir können uns nur zusammenschließen, um Druck auf den Gesetzgeber auszuüben." Technisch wären leise Motorräder kein Problem, sind aber offenbar nicht gewollt. Kunen: So lange "Krawalltüten" mit einer EU-Zulassung im Zubehör erhältlich seien, werde sich nichts ändern. "Tempolimits sind teilweise hilfreich, müssen aber überwacht werden. Streckensperrungen sind nur durchsetzbar bei hohen Unfallzahlen", sagte Kunen.

Im Stadtgebiet Wermelskirchen gibt es nur die K 18 (Dabringhausen, Bereich Coenenmühle / Freibad), die vor vielen Jahren nach hohen Unfallzahlen gesperrt wurde. Hobbymusiker oder Heimwerker sind verpflichtet, eine Mittagsruhe einzuhalten und sich an bestimmte Zeiten zu halten. Würde das Motorradfahren offiziell als Hobby eingestuft, wären zeitlich befristete Beschränkungen möglich, hieß es bei diesem Treffen. Umsetzen wird das wohl niemand.

Bis 2018 wird ein riesiges Datenmaterial vorliegen. Wer macht wann wie viel Lärm - alles wird offengelegt. Arbeitskreise, Workshops und Diskussionsrunden werden eingerichtet. Nur leiser wird es dadurch nicht. Bleibt nur der Appell an die Motorradfahrer, sich zurückzunehmen. Und vielen Anwohnern bleibt die Hoffnung auf einen verregneten Sommer, meinte ein enttäuschter Zuhörer.

Quelle: RP
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