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Leverkusen
Motte und Bakterium traktieren Kastanienallee

Leverkusen: Motte und Bakterium traktieren Kastanienallee
Das Werk der Miniermotte: Blätter, die mitten im Sommer braun sind. FOTO: Ulrich Schütz
Leverkusen. Braune Blätter im Sommer sind das Werk der Miniermotte. Das ist unschön, aber ungefährlich. Gefährlicher ist ein Bakterium, das die Bäume sterben lässt. Von Susanne Genath und Ludmilla Hauser

Werner Nolden ist mit ihr quasi per Du. Der Chef des gleichnamigen Veranstaltungsbüros weiß, was los ist, wenn an der Kastanienallee die Blätter im Hochsommer braun daherkommen: "Das ist die Miniermotte", sagt er. Und die fühlt sich in Kastanien pudelwohl. Seit zehn, 15 Jahren kennt der Opladener das Tierchen, das derzeit dafür sorgt, dass in der Stadt die weißblühenden Rosskastanien aussehen, als sei bereits Herbst. Nolden beobachtet das in jedem Jahr deshalb so genau, weil die Opladener Bierbörse teils auf der Kastanienallee an der Wupper stattfindet. Und weil die Motte auch dafür sorgt, dass die braunen Blätter früher abfallen, "ist es schon vorgekommen, dass wir beim Saubermachen nach der Bierbörse Ende August Glasscherben nicht mehr sehen konnten, weil so viele Blätter drauf lagen", erzählt er.

Vor gut einem Dutzend Jahren sei mit Bayer eine Impfaktion für die Bäume gelaufen. Für ein paar Jahre war Ruhe. Doch die Motte ist hartnäckig. "Wir haben dort schon Millionen von Blättern zusammengerecht und entsorgt und sind dann im kleinen Team mit Müllsäcken unterwegs gewesen, um noch übrig gebliebene Blätter aufzulesen", erzählt Nolden. Mittlerweile übernimmt die Stadt das Zusammenrechen, Nolden ist aber für die "Blatt-für-Blatt"-Aktion danach immer noch mit einem Team unterwegs. Denn: Die Motte überwintert sonst im Laub. Das bestätigt auch Ulrich Hammer vom Fachbereich Stadtgrün und ebenfalls, dass die Untere Landschaftsbehörde die Blätter der Kastanienallee sammelt und ordentlich entsorgt, die Stadt spricht in dem Zusammenhang von Verbrennen. Das richtige Entsorgen rät Hammer auch Privatleuten. Kompostieren sei kontraproduktiv. Generell gilt: Das Werk der Miniermotte - laut Nolden mindestens ein "bundesweites", laut Hammer gar ein "mitteleuropäisches" Problem - sieht unschön aus, ist für den Baum aber ungefährlich. Daran gehe keine Kastanie zugrunde, betont Hammer.

Durch die sorgfältige Blätterlese im Herbst hat es die Moniermotte an der Kastanienallee offenbar etwas schwerer als in anderen Stadtteilen, wo die Blätter schon wesentlich brauner sind. FOTO: UM, US

Dafür sorgt schon ein Anderer. Auch den kennen Hammer und Nolden nur zu gut: das Bakterium Pseudomonas, das zum Absterben der Bäume führt. "Bei jungen Bäumen passiert das relativ schnell, ältere kommen damit einige Jahre zurecht, sagt Hammer. Werner Nolden kann das bestätigen: Bei der Kontrolle der Allee sind zwei junge Bäume aufgefallen, "die wir vor einigen Jahren nachgepflanzt haben und an denen kein Blatt mehr ist, ein dritter junger Baum hat an einem Ast keine Blätter mehr." Der sei herausgeschnitten worden, die beiden anderen Bäume blieben stehen.

Laut Ulrich Hammer sind zwei Drittel der 78 Kastanien an der Allee geschädigt - durch den Pseudomonas und Sekundärschädlinge. Irgendwann in den nächsten 50 Jahren, davon geht Veranstalter Nolden aus, werde der Pseudomonas dazu führen, dass die Kastanienallee, deren älteste Bäume vor dem Ersten Weltkrieg gepflanzt wurden, der Vergangenheit angehören wird. Es gebe mittlerweile die Idee, die Kastanien durch eine andere Baumart zu ersetzen, "von der Fachleute glauben, sie sei weniger (lebens-)gefährdet", sagt Nolden. Er betont aber, dass dieser Prozess natürlich laufen wird: "Es werden nur Bäume aus der Allee entfernt, die wirklich krank sind."

Bild aus weit zurückliegenden Tagen: Die Kastanienallee in ihren Anfängen. Von wann das Bild genau stammt, ist laut Stadtarchiv unbekannt. FOTO: Stadtarchiv

Bei den Sonder-Baumkontrollen der Stadt zur Bierbörse gab es keine Auffälligkeiten. "Wir haben ein paar tote Äste ausgeschnitten. Das war's. Die Kastanienallee ist komplett verkehrssicher", sagt Hammer. So hat er sie an Nolden übergeben, dem die Verkehrssicherungspflicht bis nach der Bierbörse obliegt. Und der verspricht: "Sollte es in den Wochen bis zum 11. August, wenn die Bierbörse startet, richtig windig werden, gehen wir zur Sicherheit noch mal zur Kontrolle durch."

Quelle: RP
 
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