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Leverkusen
Museum Morsbroich ist Lernort der Kultur

Leverkusen. Der stellvertretende NRW-Landtagspräsident Oliver Keymis besuchte gestern das Schloss und appellierte für die Museumsrettung. Von Monika Klein

Ministerpräsident Winfried Kretschmann habe vor zwei Jahren den Kulturetat um 50 Millionen Euro erhöht und am Sonntag einen beachtlichen Wahlsieg in Baden-Württemberg eingefahren. Der grüne NRW-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Landtagspräsident Oliver Keymis stellte diesen Zusammenhang gestern bei seinem Besuch im Museum Morsbroich her. Auf Einladung der Parteifreundin Roswitha Arnold war er nach Leverkusen gekommen, um deutlich Position für den Erhalt des Museums zu beziehen. Vor zwei Wochen hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Schließung des Museums empfohlen - als Löwenanteil zur Einsparung von einer Million Euro in der städtischen Kultur.

Keymis fand deutliche Worte und erinnerte an die Gründung des Museums, sechs Jahre nachdem Deutschland von Barbaren zerstört worden war. Damals habe man sich bewusst entschieden, Kultur dagegenzusetzen, als Akt der Menschlichkeit. Orte wie dieser schafften Identität, auch im Hinblick auf Zuwanderer, und seien Lernorte der Kultur. "Mein Appell: Rettet Museum Morsbroich und vergewissert euch der eigenen Werte." Geld für Kultur auszugeben bedeute Investition und nicht Zuschussgeschäft.

Er zitierte Otto Schily: "Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit." Ob Leverkusen das einzige Kunstprojekt größerer Ordnung zur Disposition stellen wolle, um damit rund 800.000 Euro einzusparen. Die Summe sei ein Witz, damit könne man nicht nennenswert den Stadtetat sanieren. Die Kultur habe die Stadtfinanzen nicht in Schieflage gebracht. Die Rechnung der KPMG basiert auf etlichen falschen Zahlen und Annahmen, haben Kommunalpolitiker von Bündnis 90/Die Grünen und CDU festgestellt. Die Besucherzahlen etwa sind so niedrig, weil nur zahlende Gäste erfasst werden.

Da sind weder die Eröffnungsteilnehmer - am Sonntag bei der Polke/Richter-Ausstellungen waren es rund 1000 - noch Kinder und Jugendliche drin. Der Rat habe aber bewusst deren Befreiung beschlossen, ebenso von Schülergruppen, erinnert Arnold. Im Landtag werde man übrigens am Donnerstag über den freien Eintritt in Landesmuseen beraten, sagte Keymis. Wie in London erhoffe man sich dadurch mehr Besucher und mehr Bildung für alle.

KPMG liege falsch mit der Annahme, fast 600.000 Euro beim Personal einsparen zu können. Denn das müsste zum größten Teil in anderen Bereichen weiterbeschäftigt werden. Auf Null setzten ließen sich die Betriebskosten auch nur, wenn man das Schloss aufgebe. Die Folgen: kein Spiegelsaal als "gute Stube" der Stadt für besondere Anlässe, für Kammerkonzerte oder Hochzeiten, keine Veranstaltungen im Gartensaal, kein Shop und kein Engagement des Kunstvereins.

Arnold wünscht sich, dass alles im Zusammenhang mit dem Stadtetat-Sanierungsplan bis 2021 ausgewertet wird. Zur Zukunft des Museums müsse sich der Rat allerdings jetzt positionieren.

Quelle: RP
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