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Leverkusen
Museum Morsbroich steht jetzt auf der Roten Liste

Leverkusen: Museum Morsbroich steht jetzt auf der Roten Liste
Der Deutsche Kulturrat sieht das städtische Museum für zeitgenössische Kunst als "bedrohte Kultureinrichtung" an. Die Musikschule soll auch sparen. Am Freitag protestieren Musiklehrer gegen die möglichen Auflagen. FOTO: Schütz
Leverkusen. Deutscher Kulturrat sieht das Museum als gefährdete Art. Stummes Orchester zeigt, was passiert, wenn Wirtschaftsprüfer Kultur machen. Von Monika Klein

Der Deutsche Kulturrat hat das Leverkusener Museum Morsbroich auf die Rote Liste bedrohter Kultureinrichtungen gesetzt. Das Haus mit seiner renommierten Kunstsammlung von Joseph Beuys bis Gerhard Richter stehe jetzt auf der "Vorwarnliste", hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag. Das entspricht der zweiten von fünf Gefährdungskategorien. Der Kulturrat reagiert damit auf die Empfehlung der Wirtschaftsprüfer KPMG, das 1951 eröffnete Kunstmuseum zu schließen, damit die verschuldete Stadt Leverkusen ihre Sparvorgaben erfüllen kann. Denn nicht nur in Leverkusen gibt es großen Widerstand gegen das Aus des überregional beachteten Museums.

Laut Gutachten könnten durch die Schließung rund 780 000 Euro Ausgaben pro Jahr gespart werden. Die zugrunde gelegte Rechnung wird von Politik und Verwaltung angezweifelt, deswegen soll KPMG nachbessern und einen Katalog von Fragen beantworten. Bis zum 27. Juni sollte eigentlich ein Vorschlag zur Umsetzung der Sparmaßnahmen erstellt sein.

Die Musikschule Leverkusen soll den zweitgrößten Beitrag zum Sparpaket beisteuern. Das KPMG-Gutachten empfiehlt, dort 70 Prozent des Personals über Honorarverträge zu beschäftigen, um so 400.000 Euro jährlich einzusparen. Das hätte aber deutliche Einschnitte beim Angebot zur Folge. Akut gefährdet wären die rund 50 Musikschul-Ensembles, in denen Instrumentalschüler Fertigkeiten im Zusammenspiel, Verlässlichkeit und Teamfähigkeit üben.

Berufsmusiker und Geigenlehrer Martin Ehrhardt leitet ein Gamelanorchester, das er in der Musikschule aufgebaut hat. Als Sprecher der aktuell 25 Honorarkräfte hat er für Freitag eine Aktion auf dem Rathausvorplatz organisiert. Dort werden die Passanten von 12 bis 14 Uhr erleben, was passiert, wenn Wirtschaftsprüfer Kultur gestalten: Orchester, Ensembles und Bands verstummen. Am Freitag will ein stummes Orchester vor dem Rathaus die Bürger auf die Folgen eines solchen Einschnitts aufmerksam machen. "Wir bringen zum Ausdruck, dass es bei dem Erhalt um die Investition in die Zukunft unserer Kinder geht", sagt Ehrhardt.

Unverantwortlich sei es außerdem, wenn Wirtschaftsprüfer den vollwertigen Beruf des Musikschullehrers missachteten und Lehrkräfte reihenweise ins Prekariat schickten. "Die Armut unter den Instrumentalpädagogen nimmt stetig zu." Langfristig laufe ein ganzer Berufsstand Gefahr, weder überleben, noch seinem hohen Bildungsauftrag gerecht werden zu können.

Passanten sind aufgerufen, die Petition gegen die vorgeschlagenen Sparmaßnahmen zu unterschreiben. Die sollen den Politikern Rückhalt geben für die anstehenden Beschlüsse. "Wir wollen das nicht gegen, sondern mit der Politik austragen", betont Ehrhardt.

Quelle: RP
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