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Leverkusen
Musikalische Stippvisite bei den "Royals"

Leverkusen: Musikalische Stippvisite bei den "Royals"
Dirigent Joolz Gale "knetete" die Melodik mit Feingefühl, Hardy Rittner brillierte am Flügel, und das Orchester beeindruckte einmal mehr durch sein Können. FOTO: UM
Leverkusen. Es war nicht nur heiter- beschwingte Untermalung zum Jahreswechsel, die die Bayer-Philharmoniker beim Silvesterkonzert boten. Vielmehr gab es königlich-anspruchsvolles Programm bei der "Soiree Royale". Von Monika Klein

Keine Regung war im ausverkauften Forum-Saal zu hören, als Daniel Finkernagel das Publikum von KulturStadtLev zum "königlichen Abend" mit den Bayer- Philharmonikern begrüßte, Zustimmung dagegen bei der französischen Übersetzung "Soiree Royale", die doch viel weniger steif oder nach strengem Protokoll klingt.

Vielmehr verheiße der französische Titel Luxus und Glamour, erläuterte der Moderator des diesjährigen Silvesterkonzerts, das genau 24 Stunden Später als Neujahrsveranstaltung bei Bayer Kultur im Erholungshaus zu hören war. Anders als die Moderatoren der Vorjahre führte Finkernagel wenig in die einzelnen Kompositionen ein, sondern verband die Programmpunkte als Profi-Parleur mit kleinen, witzigen Geschichtchen oder Betrachtungen, etwa über das Los der gemeinen Waldameise.

Das war im ernsteren ersten Teil die einzig heitere Komponente, bevor die Musik im zweiten Konzertteil deutlich silvestriger wurde und schließlich nach Art der "Last Night of the Proms" in Edward Elgars Marsch "Pomp an Circumstance" mündete. Doch vor dem britischen Royals statteten die Bayer-Philharmoniker noch diversen Königshäuser anderer Länder ihren musikalischen Besuch ab.

Inklusive der biblischen Königin von Saba, deren beschwerliche Reise durch die Wüste Charles Gounod im Walzerrhythmus ("La Reine de Saba") gegossen hat. Beim Hoch auf die Habsburger mit einem Marsch und dem berühmten Kaiserwalzer von Johann Strauß war man - nach der Erdung durch Maurice Ravels melancholisches Stück für eine tote spanische Prinzessin "Pavane pur une infante défunte" - dann tatsächlich bei der Repertoire-Schublade angekommen, aus der sich Silvester- und Neujahrskonzerte gewöhnlich bedienen.

Hauptwerk des Abends war das Klavierkonzert Nr. 26 D-Dur KV 537 von Wolfgang Amadeus Mozart, das es wegen seines Beinamens "Krönungskonzert" in den seriösen Anfangsteil geschafft hatte. Und da bewies das Orchester mal wieder, dass es weit mehr kann als beschwingte, heitere Musik zum Jahreswechsel zu spielen.

Aufmerksam und sensibel nahmen sie den Dialog mit dem hervorragenden Solisten am Klavier auf. Souverän und mit musikalischem Feingefühl spielte Hardy Rittner den virtuosen Part, der mit seinen endlosen Läufen und vielen Verzierungen den Pianisten adelt. Für die Bayer-Philharmoniker war es eine höchst erfreuliche Wiederbegegnung mit dem mehrfach ausgezeichneten Hardy Rittner, der von 2009 bis 2012 als stART-Künstler von Bayer Kultur gefördert wurde und sich danach bestens weiterentwickelt hat. Dieses Mal allerdings unter anderer Leitung. Für den abwesenden Bernhard Steiner führte der Engländer Joolz Gale den Stab, der schon seiner Herkunft wegen beste Voraussetzungen für einen solchen royalen Abend mit sich brachte.

Ausgesprochen frisch und voll mitreißender Energie leitete Gale dieses Konzert und sorgte andererseits an den entsprechenden Stellen für weichen Klang und sorgsam entwickelte Melodik, die er geradezu mit den Händen zu kneten schien.

Quelle: RP
 
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