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Leverkusen
Musikalische Vesper zwischen forsch und zart

Leverkusen. Seit dem Jahr des 150. Gemeindejubiläums 2014 gehören Musikalische Vespern zum Angebot in der Evangelischen Kirchengemeinde Opladen. Unterschiedliche Instrumentalisten und Ensembles haben die Andacht mit großem Musikanteil schon gestaltet. Dieses Mal erklang ausschließlich die große Orgel, dazwischen sprach Martin Ehrlich kurze liturgische Texte: Psalm, Lesungen, Gebet und Segen. Von Monika Klein

Kantor Michael Porr, der in dieser Vesper auch eine neue eigene Komposition spielte, hatte einen sommerlich heiteren Rahmen gewählt - mit einem dreiteiligen Konzert (F-Dur) von Christian Heinrich Rinck im Stil der Klassik. An seinen Mozart-Zeitgenossen erinnerte gleich der erste Satz, einem "Allegro maestoso" mit zarten Einschüben im Charakter der beliebten Spieluhrmusiken. Beim Rondo zum Abschluss, das sich nach einem besinnlich-leichten Adagio in glitzernde Laufketten mündete, drängte sich der Vergleich mit dem heiter jubilierenden Gotteslob in Haydns Schöpfung auf.

Zwei seiner "Lieblingsvorspiele" von Johann Sebastian Bach wählte Porr als klingendes Kyrie und Gloria. Auf die gleichmäßig und unerbittlich schreitenden Begleitung legte er den ruhenden Cantus Firmus "Erbarm dich mein, o Herre Gott" (BWV 721). Im reich figurierten "Allein Gott in der Höh' sei Ehr" (BWV 662) ist zwar die Choralmelodie gut versteckt, aber umso deutlicher vermittelte sich das Grundgefühl der Ruhe und Sicherheit. Ein Lobpreis aus tiefer, unerschütterlicher Glaubensgewissheit, die Worte nicht deutlicher hätten ausdrücken können. Vor Gebet und Segen erlebten die Besucher eine ungewöhnliche Uraufführung. Seine "Sonata piccola" hatte Michael Porr allerdings schon 2015 geschrieben - auf Wunsch eines Musikverlages, der ein komplettes Album mit Pedalwerken herausgeben wollte. Ausschließlich mit den Füßen wird diese dreisätzige Sonate gespielt. Wer es nicht glaubt, möge nach der konzertanten Andacht auf die Empore kommen und bei einer Wiederholung zusehen, lud der Komponist vorher eventuelle Zweifler ein.

Als Interpret war er froh über die gesunkenen Temperaturen. Das Üben in der vergangenen Woche sei eine "schweißtreibende Angelegenheit" gewesen. Das mochte man gerne glauben, denn beim dritten Satz "Energico" ging es forsch zur Sache. Im Eingangssatz wechselte getupft begleitete Melodik mit Akkordketten - und der graziös tänzelnde Mittelsatz kam auf zarten Samtpfoten daher. Die jüngste Komposition von Michael Porr, ein "Memento" für Solovioline und Orchester wird am Samstag, 19. November, um 14 Uhr im Altenberger Dom uraufgeführt. Anschließend singt der BachChor Leverkusen "Ein deutsches Requiem" von Brahms. Eintritt: 29/25/20/16 Euro. Vorverkauf: E-Mail an michaelporr@t-online.de, oder Tel. 02171-5809399.

Quelle: RP
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