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Leverkusen
Neues Programm für die Genies der Zukunft

Leverkusen. Die Stadt arbeitet ab jetzt mit dem Hoch-Begabten-Zentrum Rheinland zusammen, um Kinder aus sozial schwachen Familien zu fördern. Von Tobias Falke

Bildungsarmut ist seit vielen Jahrzehnten ein Thema, auf das Politik und Wirtschaft immer wieder stoßen. In Zusammenarbeit mit dem Hoch-Begabten-Zentrum Rheinland (HBZ) möchte die Stadt Leverkusen für mehr Chancengleichheit sorgen. Ab dem kommenden Schuljahr wird in vier Leverkusener Grundschulen ein Projekt zur interkulturellen Begabtenförderung umgesetzt.

Das richtet sich primär an Kinder mit Migrationshintergrund sowie Kinder aus sozial benachteiligten Familien. "Unser Ziel ist eine Begabungsentfaltung sowie eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung", erklärt Charlotte Steins, Projektleiterin des HBZ. Dr. Michael Wolf, fachlicher Leiter des HBZ Rheinland ergänzt: "Wissenschaftliche Studien und unsere Erfahrungswerte haben gezeigt, dass diese Schüler ihr vorhandenes Potential nicht in adäquate Leistung ummünzen können. Dem wollen wir nachhelfen."

In einem wöchentlich stattfindenden Förderkursus über 90 Minuten werden ausgewählten Kindern neue Wissens- und Handlungsspielräume für problemlösendes, forschendes, selbstständiges und kreatives Lernen eröffnet. Dabei lernen die jungen Teilnehmer, wie Lernprozesse geplant, überwacht und bewertet werden können - und wie man seine Zielerreichung kontrollieren kann. Interkulturelle Aspekte sollen miteinbezogen werden und auch die Projektarbeit stehe im Vordergrund. Die Teilnahme am Förderkursus würde dann auf den Zeugnissen vermerkt.

Insgesamt ist das Projekt zunächst auf drei Jahre ausgelegt und startet in der dritten Klasse. Nach dem ersten Förderjahr stößt der nachrückende Jahrgang von neuen Drittklässlern hinzu, so dass im Schuljahr 2018/10 parallel zwei Förderjahrgänge mit jeweils einem Kurs an den Fördermaßnahmen teilnehmen. Carolin Maus, Leverkusener Leiterin des Fachbereiches Schulen: "Wenn sich die Maßnahme bewähren sollte, wollen wir das Förderprogramm schrittweise auf alle Leverkusener Grundschulen ausweiten". Das Interesse sei jedenfalls groß. Zunächst habe man sich auf die vier Schulen beschränkt, die für den Kursus das größte Potential mitbringen. Das sind die drei Grundschulen in Rheindorf (KGS Burgweg, GGS Löwenzahnschule und GGS Sternenschule) sowie die GGS Opladen.

Welche Kinder am Ende ausgewählt werden, entscheiden die Lehrer mit den Eltern in Zusammenarbeit mit dem HBZ, welches das Projekt evaluiert. Eins sei allerdings klar: Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler sollten vorrangig aus einkommensschwachen Leverkusener Familien stammen, wie Kreis Rhein-Erft Landrat Michael Kreuzberg bestätigt: "Es geht uns nicht um eine Elitenförderung. Neben der Bildungsarbeit wollen wir in Zukunft auch die sozialen Komponenten der Schüler stärken. Dies ist eine höchst wichtige gesellschaftliche Aufgabe".

Oberbürgermeister Uwe Richrath, der gemeinsam mit Michael Kreuzberg den Kooperationsvertrag unterzeichnete, stimmte dem zu: "Es wäre schön, wenn es ein Gesellschaftssystem gäbe, in dem wir nicht auf Stiftungen angewiesen seien, um Kindern Chancengleichheit zu gewährleisten. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Strukturen in unsere jetzigen Gesellschaft haben." Ziel sei es, nicht nur ein neues Projekt zu etablieren, sondern auch eine Kontinuität zu gewährleisten. Insgesamt kostet das Projekt etwa 30.000 Euro und die Mittel werden von der Carl-Duisberg-Stiftung aufgebracht.

Quelle: RP
 
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