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Leverkusener erinnern sich
Nie war Weihnachten schöner

Leverkusener erinnern sich: Nie war Weihnachten schöner
Familie Krautmacher (2.v.l. Henning, rechts sein Bruder Uwe) vor dem lamettabehangenen Baum. FOTO: Krautmacher
Leverkusen. Wie war das Weihnachtsfest früher in Wiesdorf, Opladen, Rheindorf und Co.? Wie der Winter drumherum? Wir haben Leverkusener nach ihren Erinnerungen gefragt. Mit herrlichen Ergebnissen. Von Ludmilla Hauser

Kning" ist das Wort, das Henning Krautmacher mit Weihnachten verbindet. Weil es ihn an seine Kindheit in Schlebusch erinnert. An Opa Matthes. An warme Füße. "Zum Fest hieß es bei uns zu Hause jedes Jahr: Et jitt Kning", erzählt der Sänger der kölschen Band "Höhner". Auf den Tisch kamen konkret die Stall-Hasen der Rasse "Blaue Wiener" von besagtem Opa Matthes. Diese "Kning" wurden besonders groß, konnten eine Familie ernähren. "Entscheidend aber war, dass die Tiere bis dahin ein gutes Leben hatten. Sie wurden gehegt und gepflegt, gut gefüttert, hatten einen großen Stall, sogar einen Freilauf, und hatten niemals Verhältnisse, wie man sie aus der Massentierhaltung kennt", betont er. Und holt noch eine herrliche Erinnerung hervor: "Das Fell, das Opa Matthes immer persönlich gegerbt hat, machte uns warme Füße - als Bettvorleger."

Apropos Tiere. Auch dem Opladener Bezirksvorsteher Rainer Schiefer fällt eine tierische Geschichte ein. Als Knabe ging der Politiker mit seinem Vater Ende der 1940er Jahre stets eineinhalb Wochen vor dem großen Fest in den Wald. "An eine bestimmte Stelle. 100 Meter hinter dem Fachwerkhaus am Lucasweg. Wir haben Moos gesucht für die Weihnachtskrippe." Das wurde getrocknet und zu einem Fest auch um ein Wasserbecken gelegt, das in der Krippenlandschaft als Teich dienen sollte. Zwei Goldfische kamen hinein. "Darum Hirten, dahinter die Krippe, dann der Christbaum", schildert Schiefer. Zur Bescherung am Weihnachtsmorgen habe alles wunderschön ausgesehen. "Die Katastrophe trat am zweiten Tag ein. Da hatte das Moos das Wasser aus dem Becken aufgesogen, die Fische waren tot, der Wohnzimmertisch überschwemmt. Das werde ich nie vergessen." Vom Moossammeln hat das den Opladener aber nie abgehalten. "Nur das Wasserbassin habe ich umfunktioniert. Das dient im Hof unserem Hund als Trinkschale."

Hans-Jörg Schaefer als aufgeweckter Bub neben dem Baum. FOTO: Hans-Jörg Schaefer

Denkt Christel Lützenkirchen, bekannt unter anderem aus ihren früheren Auftritten als TV-Putzteufel, an Weihnachten, ist damit eine Frau besonders verknüpft: ihre Schwiegermutter. Die hat "früher immer für kleines Geld bei der Sparkasse Lose gekauft. Einmal hat sie zwei Tage vor Weihnachten erfahren, sie habe 2000 Mark gewonnen." Dem Banker habe sie gesagt: "Dann dun se et hier in de Täsch." Ihren beiden Söhnen gab sie je 500 Mark, wahnsinnig viel Geld für uns damals Mitte der 60er Jahre." Und die übrigen 500? "Sie war eine fromme Frau - das Geld ging an die Kirche. Der Pfarrer hat sich sehr gefreut", erzählt Lützenkirchen.

Weniger monetär, dafür rasant ging es in der weihnachtlichen Kindheit von Banker Hans-Jörg Schaefer (früher Volksbank Rhein-Wupper, nun VR-Bank Bergisch Gladbach-Leverkusen) zu: "Die nordische Kombination Winter 72/73 aus Eislaufen auf dem Opladener Weiher und Schlittenfahrt auf der ,Todesbahn' an der Wupper - Abfahrt vom Friedenberger Hof - habe ich überlebt und noch schöne Erinnerungen daran", erzählt er.

Schaefer bei der Abfahrt auf der "Todesbahn". FOTO: Schaefer

Ebenso sportlich ging es bei Oberbürgermeister Uwe Richrath unterm Christbaum zu. "Als ich acht war, bekam ich ein Kettcar geschenkt. Ich habe mich so gefreut, dass ich mich abends schon im Pyjama, aber mit Helm habe fotografieren lassen." Noch eine schöne Erinnerung: Als Kind sang er im Kirchenchor in Rheindorf, und besonders gern in der Christmette in St. Aldegundis. "Die alte Kirche, Weihrauch, Kerzen, Krippe. Das war festlich", sagt Richrath.

Eislaufen zur Weihnachtszeit auf dem Wiembachweiher. FOTO: Stadtarchiv

Unter der Überschrift "O Tannenbaum" steht die Erinnerung des ehemaligen RP-Redaktionsleiters Ulrich Schütz: "Unser Tannenbaum war etwa 2,50 Meter hoch. Meist hat ihn mein Vater selbst gesägt. Der Förster, hat sich schon immer gefreut. Also Treffen an einem Hang in Edelrath mit hunderten, wenn nicht tausenden Tannenbäumen, einer schöner als der andere", berichtet Schütz. Aber die Suche habe stets lang gedauert. "Im Wohnzimmer wurde der Baum vor der großen Terrassentür platziert. Den Fuß dekorierte Muttern mit feinem Seidenpapier. An die Zweige kamen echte Kerzen und Wunderkerzen, die wir Kinder anzündeten." Festessen, Wunderkerzen. Staunen. "Dann ein Schrei: ,Es brennt!' Das Seidenpapier hatte Feuer gefangen, die Flammen schossen blitzartig am Stamm in die Höhe, die Gardinen gerieten in Gefahr." Während eine Tante im Badezimmer Wasser holte, schritt der Vater zur Tat: Er beförderte den Flammenbaum mit beherztem Tritt ins Freie. "Wir Kinder waren begeistert. So heiße Weihnachten hatten wir noch nie."

Quelle: RP
 
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