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Leverkusen
Niemand hilft verwahrlostem Obdachlosen

Leverkusen. In der Leverkusener Innenstadt lebt ein Obdachloser. Sein Gesundheitszustand ist offenbar so dramatisch, dass Anwohner sich Sorgen um ihn machen. Sie werfen den Behörden vor, nicht einzugreifen. Von Susanne Genath

Ein verwahrloster Obdachloser auf einer Parkbank in der Wiesdorfer Innenstadt erhitzt einige Gemüter. "Der Mann verlässt die Bank überhaupt nicht mehr", teilt eine Anwohnerin mit, die nicht namentlich genannt werden will. "Er liegt oder sitzt darauf und wird ab und zu von Kumpanen mit Wodka versorgt." Der Mann sei völlig verdreckt, der Gesundheitszustand sei dramatisch, aber niemand kümmere sich um ihn. An der Sprache liege es nicht: Der Obdachlose spreche Deutsch. "Ich habe schon die Polizei und die Stadt angerufen", berichtet die Anwohnerin. "Aber mir wurde nur gesagt, man sei nicht zuständig." Ähnliches sei auch Nachbarn gesagt worden.

Warum kümmert sich niemand?

"Jeder verwahrloste Hund wird in ein Heim gebracht und dort wieder aufgepäppelt. Aber ein Mensch, der offensichtlich dringend Hilfe braucht, interessiert keinen", ärgert sich die Anwohnerin, die den Mann täglich sieht.

Die Polizei stellt klar: "Wir sind in erster Linie für das Aufdecken von Straftaten da", sagt Sprecherin Dorothe Göbel. "Natürlich sorgen wir auch für Recht und Ordnung. Aber wenn von einer Person keine Gefahr oder Aggressivität ausgeht, ist dies kein Fall für uns." Sollte sich jemand - zum Beispiel im Alkoholrausch - in einem Zustand befinden, in dem er sich selbst gefährde, entscheide die Polizei im Einzelfall, ob sie ihn vorübergehend in Gewahrsam nehme, einen Rettungswagen rufe oder ihn beispielsweise zu Hause in die Obhut einer Vertrauensperson gebe. "Ist eine Person nicht mehr in der Lage, allein zu leben, muss das städtische Sozialamt entscheiden, wo sie untergebracht werden soll." Das Sozialamt trage in der Regel auch die Kosten, wenn ein nicht krankenversicherter Obdachloser in ein Krankenhaus eingeliefert werde.

Polizei und Ordnungsamt greifen nicht ein

Ein Dauerthema sei der Mann in der Wiesdorfer Innenstadt für die Polizei nicht. Göbel zufolge sind die Beamten in dieser Woche einmal zu der Stelle gerufen worden, weil sich dort eine hilflose Person befunden haben sollte. "Als die Kollegen aber vor Ort waren, hatten sie nur zwei Männer auf der Bank angetroffen, die sich unterhielten." Also kein Grund, irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen.

Die Leverkusener Stadtverwaltung bestätigte am Mittwoch, am Montag auf den hilfebedürftigen Obdachlosen hingewiesen worden zu sein. Nun seien drei Mitarbeiter des Ordnungsamtes an der Parkbank gewesen und hätten "eine sehr verwahrloste Person angetroffen", berichtet Stadtsprecherin Heike Fritsch. Der Mann sei der Stadtverwaltung bereits bekannt. "Er wollte weder in eine Obdachloseneinrichtung noch sich von dieser Stelle entfernen. Das Ordnungsamt prüft jetzt, ob in Zusammenarbeit mit dem Sozialpsychiatrischen Zentrum Maßnahmen ergriffen werden können."

Quelle: RP
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