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Leverkusen
Nils ist mit 13 Jahren ein echter Erfinder

Leverkusen: Nils ist mit 13 Jahren ein echter Erfinder
FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. Beim Landeswettbewerb "Jugend forscht" präsentieren 81 Schüler Projekte, die Erwachsene Staunen machen. Von Ludmilla Hauser

Wenn er sich nicht irre, sagt Stefan Genchev strahlend, "dann bin ich der erste Bulgare, der es geschafft hat, hier beim Landeswettbewerb Jugend forscht dabei sein zu dürfen." Er lächelt mit einer Mischung aus Stolz und Bescheidenheit. Der 16-Jährige besucht in Bulgariens Hauptstadt Sofia eine deutsche Schule, arbeitet auf das deutsche und das bulgarische Abitur hin. "Ziemlich viel zu lernen", gesteht er.

Er findet dennoch nebenbei Zeit für Freunde und für sein großes Hobby Cybersicherheit. Und genau um die dreht sich auch das Projekt, mit dem er beim Landeswettbewerb "Jugend forscht" - der wird traditionell im BayKomm in Leverkusen ausgetragen - antritt: My ePass, der eine sichere digitale Identität ermöglichen soll.

Genchev erläutert: "Nehmen wir den Personalausweis. Die neue Karte ist zwar schon sicher, kann aber noch sicherer werden. Wenn man den Ausweis verliert oder er geklaut wird, hat man sehr viel zu tun mit Behörden und Formularen. Und bis der Ausweis offiziell gesperrt werden kann, vergeht viel Zeit, in der andere ihn missbrauchen könnten. Mit meinem System kann man den Ausweis per SMS oder Mail einfach, schnell und sicher sperren."

Genchevs System kann noch mehr: "Mit My ePass kann man sich sicher auf Webseiten anmelden, seine Registrationen verwalten, Dokumente digital unterschreiben", sagt der junge Forscher. "Und zwar ohne dass die Privatsphäre des Benutzers in Gefahr gerät."

Gebrauch machen könnte Genchev wenig später selbst von seinem System - um Freunden und Familie zu erzählen, dass er das Ticket für Paderborn in der Tasche hat: Die Landeswettbewerb-Jury belohnt seine Arbeit im Fachgebiet Mathematik/Informatik mit dem ersten Platz. Das bedeutet die Teilnahme am Bundeswettbewerb.

81 Schüler - dieses Mal ohne Teilnehmer aus Leverkusen - stellen sich seit Montag mit 46 Projekten dem Wettbewerb. Neben Mathe/Informatik auch in den Bereichen Physik, Technik, Arbeitswelt, Biologie, Chemie und Geo-/Raumwissenschaften. Mittwoch ist Besuchertag, für den Nachmittag sind zur Feierstunde unter anderem NRW-Vizeministerpräsidentin und -Schulministerin Sylvia Löhrmann und die Bürgermeister Gerd Wölwer und Bernhard Marewski eingeladen. Löhrmann schickt in Vertretung Staatssekretär Ludwig Hecke ins BayKomm.

Vieles macht die Besucher Staunen, manches auch Schmunzeln - wie die Smart-Nappy, die intelligente Windel von Henry Lemmer (16) aus Essen, die per Sensor an eine Internetseite oder App kommuniziert: Die Windel müsste dringend gewechselt werden. "Meine Idee ist eher für Altenheime gedacht als für den Kleinkinderbereich."

"Schulen", sagt Dieter Römer, Vorsitzender der Jugend-forscht-Jury beim Landeswettbewerb, seien mit ein entscheidender Faktor, aber auch sie müssten sich noch weiter öffnen hin zu dem Bereich, den der Wettbewerb fördert: "Forschendes Lernen, wo man sich selbstständig Fragen stellt, Antworten sucht, und sie dann präsentiert. Dabei lernte man vieles, was einem im späteren Leben nützlich sein kann, etwa sich zu präsentieren." In Schulen, sagt Römer, könnte das Thema stärker ins Bewusstsein rücken.

In das Bewusstsein von Nils Kronig aus Mönchengladbach ist das schon von alleine gerückt. Der 13-Jährige hatte eigentlich bei dem Angebot für jüngere, "Schüler experimentieren" mitgemacht, war aber mit seinem Projekt so gut angekommen, dass er zu "Jugend forscht" hochgestuft wurde. "Ich habe sechs Monate daran gearbeitet", erzählt der Siebtklässler und deutet auf eine offene Kiste, eine mit Drähten, Schaltern und Lämpchen gespickte Apparatur namens "Intelligentes Haus - Entwicklung von eigenen günstigen KNX-Komponenten und deren logischer Steuerung zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden." Solche Komponenten, erläutert Nils, können Schalter sein und Steuerungen von Licht, Rollladen, Heizung und Lüftungen. Eines hat der 13-Jährige mit Stefan aus Bulgarien gemeinsam: den unaufhaltsamen Forscherdrang: "In der Projektzeit ist nicht alles glatt gelaufen. Aber gerade das motiviert mich, so lange zu machen, bis es endlich klappt."

Quelle: RP
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