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Stauforscher Michael Schreckenberg
NRW hat die Lkw-Sperranlage nicht genug durchdacht

Stauforscher Michael Schreckenberg: NRW hat die Lkw-Sperranlage nicht genug durchdacht
Diese Grafik zeigt den verworfenen Plan: Die Spuren sollten nur 2,20 Meter breit sein. Viele Fahrzeuge hätten nicht hindurch gepasst. FOTO: RP
Leverkusen. Leverkusen Michael Schreckenberg ist Dekan der Universität Duisburg-Essen und einer der führenden deutschen Stauforscher. Von Peter Clement

Herr Professor Schreckenberg, wie viel unnötigen Stau erspart sich NRW dadurch , dass die Fahrspuren an der Lkw-Sperranlage jetzt doch verbreitert werden?

schreckenberg Die Erweiterung der Spuren vor den Schranken von 2,20 auf 2,30 Meter Fahrzeugbreite inklusive Außenspiegel ist zweifellos unverzichtbar, wenn das ohnehin zu erwartende höhere Stauaufkommen nicht völlig aus dem Ruder laufen soll. Welcher Autofahrer kennt schon die effektive Breite seines Fahrzeugs? Es ist also davon auszugehen, dass sich die Halter von SUVs reihenweise in den verengten Spuren festgefahren hätten - mit entsprechenden Stau-Auswirkungen

Welchen Stau-Effekt hat die Anlage denn jetzt nach der Fehlerkorrektur?

Schreckenberg Die Schrankenanlage kommt in dem Moment, wo sich jemand festfährt und aufwändig heruntergelotst werden muss, einer Art Teilsperrung der Autobahn gleich, was die Auswirkungen auf den Verkehr betrifft. Was das bedeutet, konnte man gerade wieder in Duisburg sehen. Wegen tiefer Spurrillen wurde dort jetzt eine weitere Spur der A 40-Brücke gesperrt: Nur eine Spur blieb geöffnet, der Verkehrsfunk meldete bis zu eineinhalb Stunden Verzögerung.

Wie überzeugend wirkt das Projekt bisher auf Sie?

Schreckenberg Die Art und Weise, wie man im NRW-Verkehrsministerium jetzt mit dem Thema Fahrzeugbreiten umgeht, legt den Schluss nahe, dass das ganze Projekt noch nicht gründlich genug durchdacht ist.

Die Mülheimer Brücke in Köln ist inzwischen auch schwer beschädigt, allein die Südbrücke darf noch von 40-Tonnern befahren werden - was muss passieren, damit aus dem Fall Leverkusen kein Domino-Effekt entsteht?

Schreckenberg Um künftig schneller erkennen zu können, welche Brücke als nächstes gefährdet ist, halte ich es für unabdingbar, dass die Daten aus der Lkw-Maut künftig zur allgemeinen Auswertung freigegeben werden - anonymisiert natürlich. Dann könnte man nämlich beispielsweise erkennen, welche Umleitungen die Lkw-Fahrer an der gesperrten Leverkusener Rheinbrücke nehmen und wo sich dadurch andernorts Belastungen häufen. Doch lassen die vertraglichen Regelungen dies bisher nicht zu, die Daten werden nach drei Monaten gelöscht. Deshalb setze ich mich beim Bundesverkehrsministerium bei einem Termin in zwei Wochen dafür ein, dass der Mautvertrag geändert wird.

Quelle: RP
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