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Leverkusen
"Ohne die Galerie wäre die Wiesdorfer City tot"

Leverkusen: "Ohne die Galerie wäre die Wiesdorfer City tot"
Fünf Jahre fehlen bis zum halben Jahrhundert: Das Modegeschäft "7th Main Street" schließt sein Geschäft in Wiesdorf. FOTO: Ulrich Schütz
Leverkusen. Bewahrheitet sich das seit Bestehen der Rathaus-Galerie befürchtete Geschäftssterben in der Fußgängerzone nun doch? Zwei Meinungen. Von Verena Bretz und Ludmilla Hauser

Gesucht: Einzelhändler - mutig, voller unternehmerischer Ideen und angstfrei, eine große Verkaufsfläche zu nutzen. So würde es wohl lauten, das Inserat von Frank Schönberger (Werbegemeinschaft City) für ein bald frei werdendes Ladenlokal am Wiesdorfer Platz. Das Modegeschäft "7th Main Street" macht zu. Möglicherweise schon im Sommer. Spätestens aber zum Ende des Jahres, wenn der Mietvertrag ausläuft. Im Schaufenster wirbt der Laden mit Räumungsverkaufspreisen und dankt für mehr als 45 Jahre.

"Natürlich empfinde ich Wehmut", sagt Inhaber Friedrich Pfleger, der das Geschäft seit 1972 führt. "Wir haben uns sehr angestrengt, aber es hat sich einfach nicht mehr gelohnt." Immer mehr Kunden kauften online, sagt er. "Und seit die Galerie da ist, haben wir permanente Umsatzverluste. Das Center hat alte Kunden geholt, aber keine neuen Kunden angelockt."

Der 75-jährige Geschäftsmann hat zwei weitere Filialen im Kölner sowie im Essener Hauptbahnhof. "Dort sind wir sehr gut aufgestellt." Und er ist glücklich, dass seine langjährigen, fest angestellten Verkäuferinnen sowie ein Großteil der Aushilfen nach Köln wechseln werden.

Die Stadt könnte ein zweites Sportgeschäft verkraften

Der Wiesdorfer Platz: Dank der Galerie sei die Vermarktung der Ladenlokale einfacher, sagt Frank Schönberger (Werbegemeinschaft City). Der Chef von "7th Main Street" gibt auch der Galerie Mitschuld daran, dass immer weniger Kunden in sein Geschäft kommen. FOTO: UWe Miserius

Frank Schönberger bedauert die Schließung, "weil ich die unternehmerische Art der Betreiber klasse finde. Da gab es eine Art Kaufzentrumskonzept, das die Kunden angezogen hat. So etwas braucht es jetzt wieder, damit dieses große Ladenlokal funktioniert, denke ich." Wenn Schönberger sich einen neuen Einzelhändler wünschen dürfte, er würde ein Sportgeschäft wählen. "Bisher gibt es ein Geschäft, aber Leverkusen ist Sportstadt, wir können durchaus einen zweiten Anbieter verkraften."

Lange war in der City die Angst umgegangen. Davor, dass die 2010 eröffnete Rathaus-Galerie mit 120 Läden den am Wiesdorfer Platz gelegenen Geschäften den Garaus machen könnte, die Kaufkraft einzig in die Galerie fließt. Der erste Vorsitzende der Werbegemeinschaft City zieht nach acht Jahren Galerie eine andere Bilanz: "Ich glaube, die Fußgängerzone wäre ohne Galerie wenig attraktiv."

Konkret: "Wir hätten an einem Ende zwar den Kaufhof als Anker, auf der anderen Seite aber die Brache Stadthaus, das marode alte Rathaus, das die Stadt aus eigener finanzieller Kraft nie hätte sanieren können und das vermutlich längst nicht mehr von Bayer geführte Bayer-Kaufhaus", beschreibt er ein Untergangsszenario.

"Also eine Betonlandschaft um einen nicht bespielbaren Platz. Die Fußgängerzone wäre tot."

Und er ist sich sicher, dass sich der Leerstand in der Fußgängerzone gerade deshalb in überschaubaren Grenzen hält, weil bei der Vermarktung der Ladenlokale der Magnet Rathaus-Galerie helfe.

Die City aufgewertet habe auch der Umbau des Wehmeyer-Kaufhauses mit neuem Handel und dem Café "Extrablatt" als Verbindung zwischen Galerie und Kaufhof. Dem fast gegenüber liegt die Filiale von "7th Main Street" mit ursprünglich 2000 Quadratmeter Fläche. "Wie gesagt, die Fläche ist groß. Da braucht es keine Teilvermietung, das wäre zu schade, sondern jemanden, der so ein Ladenlokal mühelos bespielen kann." Laut Schönberger kommt da wohl nur ein Ableger einer Filialkette in Frage.

Quelle: RP
 
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