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Prozess um Schüsse in Steinbüchel
Opfer musste drei Stunden notoperiert werden

Leverkusen. Im Prozess um den Schusswaffen-Angriff in Leverkusen gab ein Zeuge Einblicke ins Milieu. Es ging um Drogen, Gewalt und Banden. Von Siegfried Grass

Auf die Frage hatte der Zeuge eine schlichte Antwort. Wie er die allgemeine Stimmungslage in Steinbüchel einschätzte, wollte der Verteidiger wissen. Die Antwort: "Viel Drogen, Alkohol und Gewalt."

Sicherlich entspricht diese Angabe keiner repräsentativen Umfrage, und sie bezog sich im Wesentlichen nur ein Hochhaus an der Käthe-Kollwitz-Straße, "weil da fast alle arbeitslos sind", wie der Zeuge und damalige Bewohner aussagte. Der 32-Jährige machte aber mit seinen Angaben vor der 11. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts, die derzeit die Schießerei im Juli 2014 aufarbeitet, deutlich, wie problematisch er die Lage sieht.

Es ging um Drogen

Zwei Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten, der mit zwei Schüssen seinen angeblichen Konkurrenten im Drogengeschäft verletzt haben soll, wurden gestern befragt. Beide sind vorbestraft wegen einschlägiger Delikte aus diesem Milieu. Mit dem Erscheinen des zweiten Mannes hatte die Vorsitzende Richterin nicht gerechnet. Aber er kam gar mit einem Rechtsanwalt. Das war für ihn nicht unwichtig, läuft derzeit nämlich doch ein Ermittlungsverfahren in dieser Sache gegen ihn.

Er (28) war bei der Schießerei auf dem Garagenhof in der Hermann-Hesse-Straße als Begleiter des Angeklagten dabei, machte einige Angaben, wollte sich zur eigentlichen Tat aber lieber nicht äußern. Auch nicht zum Verbleib und der Herkunft der Waffen mit rund 400 Schuss Munition, Letztere wurde von der Polizei sichergestellt.

Zwei Gruppen rangeln um die Drogen-Vorherrschaft

Beide Zeugen bestätigten die Auseinandersetzungen von zwei rivalisierenden Gruppen um die Aufteilung des Drogengeschäfts in Steinbüchel. Beide waren auch Teil der Gruppe um den 33-jährigen Angeklagten und für ihn tätig. Beide fühlten sich bedroht von der Konkurrenz und von "vermummten Gestalten in Autos" beobachtet. "Auf meine Freundin wurde sogar schon geschossen und meine Mutter bedroht", machte einer deutlich. Der andere sei nach der Tat entführt und ihm Wald geschlagen worden. Mit dem Hinweis auf eine Motorrad-Gang wurde er eingeschüchtert.

Das Opfer lag nach der Tat auf der Intensivstation des Klinikums nach einer über dreistündigen Operation. Dreimal musste er operiert werden und hatte "ganz, ganz großes Glück", wie der Chirurg sagte, der noch in der Nacht den ersten Eingriff vornahm, und gestern Angaben zu Verletzungen machte. Die Bauchschlagader sei nur um zwei Zentimeter verfehlt worden. Ein Teil der Niere und ein Teil des Dünndarms mussten entfernt werden. Eine der beiden Kugeln habe nur knapp das Rückenmark verfehlt.

Alle Beteiligten haben nun knapp drei Wochen Zeit (Fortsetzung am 28. Juni) das Gehörte zu verarbeiten. Da der Angeklagte in seiner Einlassung sehr viele Namen genannt hatte, werde auch überlegt, wer davon als Zeuge geladen werden soll.

Quelle: RP
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