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Leverkusen
Opladen dicht: Party nach dem Fußballkrimi

Autokorso Leverkusen-Opladen nach Fussballkrimi
Leverkusen. Nach dem Fußballkrimi suchte sich der Autokorso der Fans seinen Weg durch das teils abgesperrte Opladen. Von Ulrich Schütz

Für manchen Anwohner war es die Lärmhölle schlechthin, für die feiernden Fußballfans der pure Ausdruck von Freude: Nach dem Fußballkrimi am Samstag verwandelten die Anhänger der deutschen Elf Opladen-Mitte in eine Partymeile. Sehr laute Böller, gespenstisches Bengalolicht, Autokorso. Die Fußballfreunde zogen alle Register. Polizei und Stadt versuchten das auch, um zumindest den Autokorso zu verhindern. Damit sind sie gescheitert.

Die Liebhaber des rollenden Hupkonzertes ließen sich ihren Spaß nicht verderben. Der Autokorso suchte sich eben seinen Weg durch die Menchendahler Straße, über Seitenstraßen zurück zum Marktplatz und dann ging es wieder die Kölner Straße rauf und runter. Später lief es über die Herzogstraße. Polizisten und Vertreter des Straßenverkehrsamtes griffen am Ende nicht mehr großartig ein.

Polizisten überprüfen einen Mann, lassen ihn später jedoch wieder frei. FOTO: us

Deutlich vor der Spielverlängerung mit anschließendem Elfmeterschießen hatten die Behörden - in Fankreisen eher als Spielverderber eingestuft - die Kölner Straße zwischen Robert-Blum-Straße und Menchendahler Straße gesperrt. Dort hatten die Fans die Fahrbahn für sich. Sie zündeten wieder - in Höhe Augustastraße - Donnerschläge, die auch mal Alarmanlagen auslösten. Selig vor Glück grölten die nicht selten angetrunkenen Leute das Deutschlandlied. Laut - aber alles verlief friedlich.

Der unüberhörbare Freudentanz der Opladener Fußballgemeinde stieß durchaus auf Kritik von Anwohnern, wie die Kommentare auf der RP-Facebookseite zeigen. "Ich fand es mega übertrieben", schrieb eine Leserin. Es gebe auch Leute, die morgens früh zur Arbeit müssten. "Ich bin froh, dass ich abseits der Kölner Straße wohne", notierte eine andere Leserin. "In Schlebusch wurde es auch übel", ergänzte jemand. Und in Lützenkirchen ging es auch bis zwei Uhr.

Ruhe vor dem Sturm: Die Fans warten an der Ecke Kölner-/Menchendahler-Straße auf das Megaphon-Kommando, dass sie alle aufspringen und "Humba täterää" singen lässt. FOTO: us

Na ja, hier eine Zwischenbemerkung des Autors: Wer keinen Autokorso genießen konnte (oder durfte), nahm ungefragt an der bis nach Lützenkirchen zu hörenden dumpfen Musikbeschallung des Summer Jam aus Köln-Fühlingen teil. In Rheindorf und Hitdorf fühlten sich einige Anwohner, als ob sie vor der Konzertbühne sitzen würden: "Würde ich den Text kennen, könnte ich mitsingen."

Die Mutter einer neun Monate alten Tochter fand die Party in Opladen in Ordnung. Ihre Kleine sei zwar vom Lärm aufgewacht, aber "Hey, es ist nur alle zwei Jahre und da darf ausgiebig gefeiert werden", meinte die Frau und empfahl: "Urlaub nehmen oder Zähne aufeinander beißen." Spaßbremsen gebe es genug.

Die eingesetzten Polizisten kümmerten sich vor dem Spiel auch um Recht und Ordnung. Ein Pizzabote, der seinen Wagen in der Busbucht Kölner Straße/Augustastraße geparkt hatte, bekam von einem Polizeihauptkommissar ein Knöllchen. Parken an der Ecke und dazu in einer Bushaltestelle, das geht gar nicht. Zu dieser Zeit rollte zwar längst kein Bus mehr über die Kölner Straße, da sie ja schon längere Zeit komplett gesperrt war. Der betrunkene junge Mann, der später an dieser Ecke brennendes Bodenfeuerwerk mit einem Tritt in die Menge schoss, entging dagegen dem Auge des Gesetzes. Festgenommen wurde schon vor der Fußballparty allerdings ein anderer Angetrunkener, der verdächtigt wurde, einen Unfall gebaut zu haben.

Gefeiert haben die Fans in Opladen jedenfalls als ob die deutsche Elf schon die Europameisterschaft gewonnen hätte. Die Frage ist: Holt das Team um Manuel Neuer tatsächlich den Titel - wie wollen die Opladener Fußballanhänger ihre Party dann noch steigern?

Quelle: RP
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