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Leverkusen
Opladen in Feierlaune - auch ohne Zoch und Kamelle

Leverkusen. Von der Absage des Zuges in Opladen ließen sich nur wenige Jecke die Stimmung vermiesen. Von Dorian Audersch

Am frühen Nachmittag ist einiges los in der Opladener Fußgängerzone. Viele Kostümierte sind auf der Straße. Sie feiern, schunkeln und singen Kölsches Liedgut. Auch in den Kneipen herrscht Hochbetrieb. Für einen Moment entsteht der Eindruck, dass es ein ganz normaler Rosenmontag ist. Allerdings fehlt dafür ein entscheidendes Detail: D'r Zoch kütt nicht.

Die sturmbedingte Absage des närrischen Trosses trübt die Stimmung nur minimal - auch wenn frische Böen die ein oder andere Federboa wegwehen. "Es ist, wie es ist", fasst Gisela Ellenberger ihre Meinung zur ersten Absage eines Zuges seit den frühen 1990er Jahren zusammen. Sie habe sich trotzdem in Schale geworfen und sei voller Tatendrang.

"Wir lassen uns nicht vom Wetter unterkriegen", sagt sie trotzig und verweist auf ihren Besuch aus Berlin. Gemeint ist Tanja Borutta, die eigens für den Rosenmontag zu ihrer Tante ins Rheinland gereist ist. In der Hauptstadt, sagt sie, werde so gut wie gar kein Karneval gefeiert: "Dabei liebe ich es, mich zu verkleiden und Party zu machen."

Ihre Begleitung Marius Wenkheimer ist zwar etwas enttäuscht, dass es keinen Zug gibt, aber nimmt es gelassen: "Dann ziehen wir eben durch die Kneipen und machen das Beste daraus." Das gut gelaunte Trio schwirrt in stilechter Bienen-Verkleidung durch die Opladener Fußgängerzone - inklusive Federboa und plüschiger Fühler.

Ähnlich sehen es Helga Dohr und Ralf Ruppert, die als Clowns unterwegs sind. Dass der Zug nicht durch die Straßen zieht, finden beide sehr schade. "Wir schauen einfach, wo es uns am besten gefällt", sagt sie. "Auf jeden Fall wollen wir im Funkenturm der Altstadtfunken vorbeischauen", fügt er hinzu. Letzteres, sind sich beide einig, sei "einfach nur Kult-Karneval".

Den gibt es auch in der rappelvollen "Stadtschänke", wo Gisela und Bernd Hempfe feiern. Sie ist als Piratenbraut verkleidet, er als "Kölscher Jung" in rot und weiß. "Sicherheit geht immer vor", sagt die Opladenerin. Vor allem für die Wagenbauer und Fußgruppen sei die Absage des Zuges sehr traurig. "Aber wir lassen uns die Stimmung sicherlich nicht verderben." Kneipen-Karneval habe ja schließlich auch was für sich: "Es ist lustig, gemütlich, stimmungsvoll, und man trifft viele alte Bekannte."

Thomas Fender hat ebenfalls Verständnis für die Absage. So oder so, sagt er, hätten es die Verantwortlichen im Grunde nur falsch machen können: "Wird nicht abgesagt, und es passiert was, ist das Geschrei groß - und umgekehrt ist es genau-so." Der als "Minion" aus dem gleichnamigen Animationsfilm verkleidete Leichlinger ist auf Kneipen-Tour. Erste Station ist der "Opladener Treff". Danach sei vieles denkbar: "Mal sehen, wohin es mich heute noch verschlägt."

Quelle: RP
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