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Leverkusen
Opladens Nachtwächter geht in Rente

Leverkusen: Opladens Nachtwächter geht in Rente
Seit 1976 verkörpert Toni Blankerts im Karneval den Nachtwächter. Nun sei es an der Zeit, Platz zu machen für jüngere Leute und neue Ideen, findet der Büttenredner. FOTO: Uwe Miserius (Archiv)
Leverkusen. Einmal noch, dann zieht es ihn aufs Altenteil: Toni Blankerts tritt am Freitag auf der KOK-Prunksitzung zum letzten Mal als Nachtwächter auf. Von Roman Zilles

Wehmut? Nein! Dafür ist er nicht der Typ. Sowieso: "Ich bleibe dem Karneval doch erhalten. Nur eben mit gebremstem Schaum." Daher weiß Toni Blankerts jetzt schon, wie sein Auftritt am Freitag sein wird: wie immer. Also wie seit 40 Jahren, in denen der Nachtwächter das Geschehen in Leverkusen aus der Bütt mit Biss und Ironie unter die Lupe und aufs Korn nimmt.

Ein Auftritt noch, auf der Prunksitzung des Komitees Opladener Karneval, dann geht Blankerts Kunstfigur in Rente. "Es ist an der Zeit", begründet der 78-Jährige den Schritt und führt aus: "Ich gehe auf die 80 zu, und es gibt Gott sei Dank genug jüngere Leute im Karneval, die mir nachfolgen und neue Ideen entwickeln und verwirklichen. Man muss auch loslassen können." Aber wie gesagt: Er ziehe sich ja nicht gänzlich zurück. Im Verkehrs- und Verschönerungsverein Opladen bleibe er ohnehin aktiv, auch werde er weiter Stadtführungen anbieten. Und: "Sollte im Karneval mal Not am Mann sein, dann bin ich da."

So wie er eigentlich immer präsent war. Gefühlt war Blankerts schon immer im Karneval aktiv. Tatsächlich stieg er aber "erst" 1953 ein; er war Kinderpräsident bei den Neustadtfunken und 1973 Karnevalsprinz. Kurze Zeit später, Ende 1974, wurde Opladen im Zuge der kommunalen Neugliederung nach Leverkusen eingemeindet und verlor seinen Nimbus als Kreisstadt. Das rief 1976 den Nachtwächter auf den Plan. "Ich musste mir Luft verschaffen", erinnert sich Blankerts.

Und das tat er seinerzeit - den ersten Auftritt legte er beim "Ball intern" der Altstadtfunken in der Tanzschule Kaechele an der Gerhart-Hauptmann-Straße hin - schon in selbst verfassten Versen. Etwa diesem: "Bei all dem Gedöns stimmt mit ein, ich möchte wieder ein Opladener sein." Ursprünglich sei es nur als ein Auftritt für diesen einen Abend gedacht gewesen. Aber das kam so gut an, dass Blankerts eine erfolgreiche Fortsetzung auflegte. Auch wenn er manchmal "aus der Politik ein negatives Echo erhalten habe".

Aber den Spaß hat es ihm nie verhagelt, und genauso wenig sind ihm die Reime ausgegangen. Meist schreibe er seine Reden zwischen Weihnachten und Neujahr: "Ich brauche den Druck, und wenn ich die Texte recht spät schreibe, sind sie immer aktuell." Rund 20 Minuten werde sein letzter Vortrag dauern. Am Freitag dürfte schnell deutlich werden, dass es ganz gewiss nicht Themenarmut gewesen ist, die den Nachtwächter aufs Altenteil treibt. Der neue Oberbürgermeister, Staus, Hundehäufchen, der Haushalt oder die Brücken (über den Rhein und am Opladener Bahnhof) werden beleuchtet.

Aber daneben wird der Nachtwächter auch aus seiner ersten Rede zitieren und Bezug nehmen auf die letzten 40 Jahre. Mitunter scheint selbst Blankerts selbst ein wenig erstaunt, "wie aktuell manche Sachen von früher heute immer noch sind". So machte er damals unter anderem die Unterbringung von Flüchtlingen zum Thema ("Integration, das solltet ihr wissen, kommt nicht von Plakaten, sondern vom Gewissen").

Am Ende wird Blankerts - nach einem dreifachen "Opladen Alaaf" - von der Bühne steigen. Ganz ohne Wehmut. Vermutlich wird der Nachtwächter dem Publikum mehr fehlen als andersherum.

Quelle: RP
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