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Leverkusen
"Parkour" wird zum Unterrichtsfach

Leverkusen: "Parkour" wird zum Unterrichtsfach
FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. An weiterführenden Schulen in Leverkusen können Schüler künftig Parkour lernen: das effiziente Fortbewegen und Überwinden von Hindernissen. Ein von Sponsoren gekauftes System kann für drei Monate ausgeliehen werden. Von Roman Zilles

Die eine läuft mit den Füßen voraus gegen eine fast senkrechte Wand, drückt sich ab und macht einen Rückwärtssalto, der andere erklimmt ohne sichtbare Anstrengung eine zwei Meter hohe Box und macht dort oben einen Handstand, der besten Haltungsnoten genügt. Von tief beeindruckend bis nahezu halsbrecherisch reichte das Spektrum der Vorstellung, die Schüler der 9f des Landrat-Lucas-Gymnasium gestern gaben.

Die Jugendlichen der Sportklasse zeigten, was an dem neusten Schulsportgerät so möglich ist. Dieses besteht aus zahlreichen Einzelelementen wie Balken oder Stangen. Zentrale Elemente sind aber unterschiedlich große Kästen, genannt "Cubes", die namensgebend für das System sind, das in zahllosen Möglichkeiten aufgebaut und kombiniert werden kann. Während es so etwas bereits am Lucas-Gymnasium gibt, wurde nun weitere "Cubes" gekauft, die von weiterführenden Schulen in Leverkusen ausgeliehen werden können.

Die Initiative für den Kauf ging von Ulrich Dietzler aus. Der technische Geschäftsführer der EVL verdankte seinem bewegungs- und kletterfreudigen Sohn eine Art "Aktiv-Urlaub", in der er "Parkour" näher kennenlernte: das möglichst effiziente Fortbewegen und Überwinden von Hindernissen. Da Angebote in Leverkusen dafür Mangelware seien, reifte bei Dietzler der Wunsch, eine Parkour-Landschaft für Schulen zur Verfügung zu stellen. Auf der Suche nach Mitstreitern wurde er bei Sparkasse und Avea fündig, Alle drei Unternehmen gaben 5000 Euro. Damit werden bei der Kölner Firma "Cube Sports" eine Grundausstattung gekauft sowie der Transport der Komponenten für drei Jahre sichergestellt.

Denn das System soll nun auf Reisen gehen. Es kann über den Fachbereich Schulen ausgeliehen werden. Der Sportpark organisiert im Anschluss Lieferung und Aufbau, zudem gibt es von seinen Mitarbeitern eine Einweisung zu den Nutzungsmöglichkeiten für die Lehrer; im Anschluss sollen die Cubes für drei Monate in der jeweiligen Schule bleiben und dort nach eigenen Vorstellungen und Wünschen genutzt werden.

Die Vorführung der Lucas-Sportklasse taugte dabei durchaus als Beleg dafür, dass die Verantwortlichen mit ihrem neuen Projekt ins Schwarze treffen. Schon beim Zuschauen wird offensichtlich, wie sehr die Boxen und übrigen Geräte, die zudem noch mit Trampolinen oder Bänken kombiniert werden können, für Freude an der Bewegung sorgen können. Fast schon verstaubt dagegen die Gedanken an Reck, Barren oder Kasten, wie sie seit Jahrzehnten im Sportunterricht genutzt werden. Das Cube-System werde auch viel genutzt an ihrer Schule, mache Spaß, fördere Kraft, Koordination, Kreativität und das turnerische Vermögen, berichten Schüler der Lucas-Sportklasse am Rande ihrer gelungenen Demonstration. Allerdings sei es für interessierte Schulen nicht von Belang, wie viel Vorerfahrung Kinder und Jugendliche in Sachen Parkour haben. Geeignet sei das System für alle Jahrgangs- und Schwierigkeitsstufen.

Bislang steht noch kein Termin fest, aber klar ist schon, dass die Gesamtschule Schlebusch als Erste den Zuschlag bekommt. Seit Monaten schon erkundigten sich die Verantwortlichen nach dem System. Aswina Preuß ist sich sicher, dass es ein Erfolg wird. "Wir hatten die Cube schon bei einem Aktionstag an unserer Schule, und da war der Andrang riesig", sagt die Schülersprecherin der Gesamtschule. Auch sie ist angetan von den Möglichkeiten. Mitunter habe sie von acht bis 17 Uhr Schule. "Da ist man froh, wenn man sich zwischendurch mal körperlich auspowern kann." Zumal es dazu oftmals nicht allzu viele Gelegenheiten gebe, sich im öffentlichen Raum frei zu entfalten - ohne anzuecken. "Ich wurde ja schon mal von einem Polizisten ermahnt, weil ich auf der Lehne einer Parkbank saß und die Füße auf der Sitzfläche hatte", erzählt Preuß lachend. Kaum auszumalen, was der Ordnungshüter erst zu sagen gehabt hätte, wenn ein Parkour-Läufer die Bank in halsbrecherischer Art und Weise genutzt hätte.

Quelle: RP
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