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Leverkusen
Pfarrer Teller macht den Weihrauch-Führerschein

Leverkusen. Weihrauch ist aus der Weihnachtsmesse nicht wegzudenken. Woher der Ursprung dieses Rituals kommt, weiß Stadtdechant Heinz-Peter Teller. Von Ludmilla Hauser

Die Aufzählung ist fehlerfrei: "Weihrauch - lateinisch Thus, dazu gehören der Thuriferar (Weihrauchträger), das Thuribulum (Weihrauchfass), das Naviculum (Weihrauchschiffchen) und der Navicular (Schiffchenträger)." Da verwundert es etwas, dass Stadtdechant Heinz-Peter Teller im Anschluss lächelnd dies gesteht: "Bei uns haben wir jetzt den Weihrauchführerschein eingeführt. Den machen Messdiener, die groß genug sind, das Weihrauchfass zu tragen, ohne dass es auf dem Boden schleift. Ich auch." Pause. Nachsatz: "Bin durchgefallen. Im Januar ist Nachprüfung."

Ginge es dabei um die Historie des Weihrauchs, Teller hätte schon mit Bravour bestanden. Er erzählt: Dass die Heiligen Drei Könige dem kleinen Jesuskind auch Weihrauch mitgebracht haben, kommt nicht von ungefähr, denn "Weihrauch gilt seit jeher als kostbar", sagt der Stadtdechant. "Ähnlich wie die Seidenstraße gibt es auch eine Weihrauchstraße. Die führt durch die Wüste, auf ihr wurde in der antiken Welt der Weihrauch transportiert. Palmyra, die uralte Stadt, die jetzt vom IS so furchtbar zerstört wurde, liegt zum Beispiel an der Route", erzählt Teller, greift in einen Stoffbeutel, holt ein paar hellbeige Körnchen raus und steckt sie in den Mund. "Probieren Sie mal - der reine Weihrauch vom Weihrauchbaum schmeckt sehr nussig." Stimmt. Und weihrauchig mit leichter Schärfe. Der Geschmack ist angenehm und bleibt länger im Mund.

"Ich sage immer zu den Messdienern: Wenn Ihr davon esst und müsst pupsen, dann riecht das nach Weihrauch", scherzt Teller und holt grünlich schimmerndes Granulat aus dem nächsten Beutel: Weihrauch mit Menthol. Geschmacklich nicht zu empfehlen, Teller verzieht das Gesicht. "Meistens werden in der Kirche Weihrauchmischungen verwendet, für eine besondere Geruchsnote. Ich mag Rosen-Weihrauch, der soll bei der Meditation helfen." Das duftende Harz habe schon immer eine religiöse Bedeutung gehabt: "Wenn Du zu Gott betest, dann sollst Du etwas Kostbares mitnehmen. Und so, wie der Weihrauch zum Himmel aufsteigt, so steigen auch die Gebete nach oben. Weihrauch hat also eine ganz entscheidende spirituelle Bedeutung."

Teller weiß auch von einer medizinischen. Weihrauch wirke beruhigend und desinfizierend. Schon in den alten Religionen sei das Baumharz genutzt worden. "Die Kirche hat das übernommen, um Gott zu ehren." Welche Weihrauchmischung zu welchem festlichen Anlass im Gottesdienst eingesetzt werden soll, sei nirgendwo festgelegt. Er komme zum Einsatz, wenn "etwas Besonderes ist, zum Beispiel Weihnachten und natürlich am 6. Januar zum Drei-Königs-Tag".

Der Pfarrer lächelt, als er betont, dass der Gottesdienst an sich eine Veranstaltung für alle Sinne sei. Zu diesem Konzept gehöre Weihrauch dazu. "Und manchmal dient er auch zur Geruchsverbesserung im Gotteshaus. Anders kann man sich nicht den Riesenweihrauchpott in der Kirche in Santiago de Compostela in Spanien erklären. Wenn da früher die verschwitzten, reisedreckigen Pilger reinkamen, schwang der Weihrauchpott ständig duftend hin und her, damit keiner in der Kirche vor lauter Mief umkippte."

Quelle: RP
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