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Köln/Leverkusen
Polizei-Razzia in der Autoraser-Szene

Polizei kontrolliert Raser am Tanzbrunnen in Köln
Polizei kontrolliert Raser am Tanzbrunnen in Köln FOTO: Ulrich Schütz
Köln/Leverkusen. Mittwochnacht kontrollierten Beamte Fahrzeuge von Kölner und Leverkusenern am Kölner Kennedyufer, wo sich Anhänger frisierter Autos gerne treffen. Die Polizei stieß unter anderem auf viel zu dicke Reifen, Drogen und Gaspistolen. Von Ulrich Schütz

Die Polizei geht intensiv gegen die Autoraser-Szene in Köln und Leverkusen vor. Für die Anhänger frisierter Pkw und illegaler Autorennen hat die Ermittlungsgruppe "Rennen" ein Rundum-Sorgen-Paket geschnürt. Zum Inhalt gehören der frühzeitige Führerscheinentzug durch die Städte, weil der Fahrer charakterlich untauglich zum Führen von Kraftfahrzeugen erscheint, technische Autokontrollen mit erzwungenem TÜV-Test, Überprüfung der Finanzen oder Tempomessungen. Mittwochnacht schlugen die Beamten nahe des Tanzbrunnens in Köln - wo sich die Szene gerne trifft - zu, sperrten Zufahrtsstraße ab und überprüften 96 Personen und 69 Pkw. Darunter auch Fahrer aus Leverkusen und dem Rheinisch-Bergischen Kreis.

Polizei kontrolliert Autoraser-Szene in Köln/Leverkusen

Die Kontrolle wurde medienwirksam gestaltet, damit sich die Botschaft der Polizei schnell in der Szene verbreitet: "Wir haben euch im Blick", heißt die Warnung. Mittwochnacht stellten sich auch Polizeipräsident Wolfgang Albers und Martin Lotz (Leiter Direktion Verkehr) vor die Kameras, um die Bedeutung der Ermittlungen zu unterstreichen. Drei schwere Unfälle nach illegalen Rennen mit Toten und Schwerverletzten (zwei Unfälle in Köln und einer am Schloss Morsbroich) sind der Anlass für die Sondereinsätze.

Einige Zahlen von Mittwoch: Sechs am Kennedy-Ufer überprüfte Pkw wurden sichergestellt, per Abschleppwagen zum TÜV nach Köln-Mülheim transportiert, noch in der Nacht kontrolliert - und von den Kfz-Experten stillgelegt. Einige der Autos hatten etwa dermaßen dicke Reifen, dass die Pneus bei Belastung gegen die Karosserie schlugen. In den fünf Wochen vor der Großkontrolle hatte die Ermittlungsgruppe um Leiter Rainer Fuchs in Köln und Leverkusen 200 auffällige Fahrer mit PS-starken Fahrzeugen identifiziert. 20 von ihnen werden von der Polizei als "harter Szene-Kern" - also als besonders gefährliche potenzielle Raser - eingestuft.

Autorennen in Leverkusen: Wagen knallt in Ampel FOTO: Ulrich Schütz

Bei der Kontrolle durchsuchten die Polizisten möglichst jeden Winkel der Fahrzeuge. Die Beamten fanden Drogen, zwei Gaspistolen, einen Baseballschläger und viele nicht erlaubte Tuningmaßnahmen. Zumindest zwei Mercedes-Fahrer aus Leverkusen durften im eigenen Wagen weiterfahren, die Fahrzeuge entsprachen den Regeln. Vor Ort stellte die Polizei zwei Führerscheine sicher. Die Fahrer ließen die Kontrollen, die mehrere Stunden dauerten, relativ ruhig über sich ergehen. Nur einer drohte mit einer Rechtsanwältin - seiner Tante. Begleitend zu diesem Einsatz führte die Polizei in Köln verstärkt Radarkontrollen durch: Der Spitzenreiter unter den Temposündern raste mit 131 km/h über die Mülheimer Brücke, erlaubt ist Tempo 50. Gemessen wurden insgesamt 3000 Fahrer. Daraus ergaben sich: 399 müssen Verwarnungsgelder zahlen, 96 bekommen Anzeigen und 24 Fahrer müssen mit Fahrverboten rechnen.

Die Großrazzia hat für einige Ertappte noch ein Nachspiel. Die Polizei überprüft nun, wie die teils sehr jungen Fahrer sich dermaßen teure Fahrzeuge leisten können. Die Männer sollen belegen, woher das Geld für die getunten Pkw - vor allem der Marken Mercedes und BMW - stammt. Verkehrsdirektor Martin Lotz: "Der Einsatz war ein großer Erfolg, um die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen zu erhöhen."

Quelle: RP
 
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