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Leverkusen
Polizist betreut Opfer in Notsituationen

Leverkusen: Polizist betreut Opfer in Notsituationen
Polizist Uwe Ortmann ist Opferschützer bei der Kreispolizeibehörde Rhein-Berg und setzt sich nach Verkehrsunfällen für die Betroffenen ein. FOTO: Jürgen Moll
Leverkusen. Uwe Ortmann kümmert sich um Betroffene und Zeugen nach Unfällen und Straftaten. Von Bernd Geisler

Eine junge Frau wird zufällig Zeugin eines schweren Verkehrsunfalles. Ein Motorradfahrer prallt mit überhöhter Geschwindigkeit auf einen Fußgänger und reißt ihm ein Bein ab. Die Frau ist die Erste am Unfallort und hilft. Der Fußgänger stirbt noch in ihren Armen. Ein Polizeibeamter, der den Unfall aufnimmt, bemerkt, dass die Frau offensichtlich verstört ist. Er informiert Polizeihauptkommissar Uwe Ortmann.

Der hat seinen Dienstsitz bei der Kreispolizeibehörde Rhein-Berg, Direktion Verkehr, Verkehrsunfallprävention in Bergisch Gladbach. Ortmann arbeitet dort auch im Bereich Opferschutz. Er spricht am Tag nach dem Unfall mit der Ersthelferin. "Die junge Frau war völlig durch den Wind", erzählt er. Sie habe auf jeden Fall professionelle Hilfe gebraucht. Wie sich herausstellte, hatte die Frau zwei Jahre zuvor selbst einen schweren Verkehrsunfall erlebt. Die Retraumatisierung, die schrecklichen Geschehnisse von vor zwei Jahren gewissermaßen wieder zu erleben, war ein Schlag. Ortmann vermittelte sie zum Institut für Psychologische Unfallnachsorge in Köln (IPU). Die junge Frau nahm die Hilfe dankbar an, traute sich dann aber nicht, alleine dorthin zu gehen. "Ich begleitete sie ausnahmsweise bei ihrem ersten Besuch", sagt Ortmann. Die Frau verlor ihre Scheu, ihr konnte geholfen werden.

Das sei ein Beispiel aus seiner Arbeit als Opferschützer, sagt Uwe Ortmann. Wobei er lieber von "Betroffenenschutz" spricht. Er und seine Kollegin Petra Botta seien keine ausgebildeten Psychologen, betont er. Nach Verkehrsunfällen aber könnten sie traumatisierten Betroffenen eben professionelle Hilfe vermitteln. Und das möglichst schnell. Zu diesen Betroffenen kann jeder zählen: Unfallopfer, Unfallverursacher, Zeugen, sogar nicht unmittelbar am Geschehen beteiligte, zufällige Passanten. Die Opferschützer arbeiten eng mit einem Netzwerk zusammen. Darunter ist auch die Notfallseelsorge. "Man weiß nie, wie sich ein Verkehrsunfall persönlich auf jemanden auswirkt", sagt Polizist Ortmann. Manche Betroffene benötigen nur ein wenig Zuwendung, sagt er. Eine unterstützende Hand auf der Schulter, ein Gespräch. Bei anderen dagegen - wie im Fall der jungen Frau - sei professionelle Hilfe nötig. Zunächst sei es normal, wenn nach einem Unfall "etwas mit einem passiert", jeder müsse ein solches Geschehen verarbeiten. Das kann drei bis fünf Tage dauern. Danach sollten die Bilder des Unfalls im Kopf allmählich verschwinden. Sie dürfen den Betroffenen nicht beherrschen. Er muss die Bilder beherrschen.

Klappt das nicht, ist Hilfe von außen angebracht. Dann hilft auch die Polizei. Bereits die Kollegen am Unfallort haben ein wachsames Auge auf Betroffene, besonders während der Vernehmung von Unfallbeteiligten und Zeugen. Sie informieren bei Bedarf den Opferschutz, der seinerseits Ersthilfe bietet und als Hauptaufgabe professionelle Hilfe vermittelt.

Quelle: RP
 
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