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Leverkusen
Post vom Mond

Leverkusen. Faszination Astrophilatelie - der Leverkusener Steven Lachhein besitzt eine der weltweit bedeutendsten Briefmarken- Sammlungen mit Motiven aus Kosmos und Raumfahrt. Von Gabi Knops-Feiler

Es ist wie immer im Leben: Des einen Leid ist des anderen Freud. Während Philatelisten mit verändertem Zeitgeist und Nachwuchssorgen zu ringen haben, befindet sich eine andere Sparte der Briefmarkenkunde im Aufwind: Die Astrophilatelie, die höhere Kunst des Sammelns. Dieses Genre gilt in Deutschland zwar als exotisch. Menschen, die sich mit Weltraum und Raumfahrt befassen, haben aber auf das richtige Pferd gesetzt. "Astrophilatelie ist ein offenes Gebiet, das lebt", bestätigt Dr. Stephen Lachhein und ergänzt: "Die Dinge werden immer aktuell sein und bekommen durch die private Raumfahrt im Grunde noch neuen Schub."

Der 64-jährige Leverkusener kennt sich aus. Denn seine Sammlung zählt zu den zehn Besten der Welt. In seinem Besitz ist unter anderem eine ganz besondere Rarität: Ein "Mondlandebrief", der 1971 mit Apollo 15 auf dem Mond war. Monate später kam es zum so genannten Briefmarkenskandal, als sich herausstellte, dass die Astronauten David Scott, James Irwin und Alfred Worden die Briefumschläge ohne Genehmigung mit ins All genommen hatten, die sie später als Sammlerstücke verkauften.

Ein weiteres Prachtstück im Archiv des Sammlers ist ein Brief, den der russische Kosmonaut Padalka mit der Mission Sojus TMA-16M im Jahr 2015 auf die Internationale Raumstation ISS beförderte. Im All versah er den Brief mit einem amtlichen Poststempel - auf dem einzigen "Außenposten der Menschheit" gibt es tatsächlich eine offizielle Zweigstelle des Moskauer Postamtes - den er mit einer anderen Sojus-Kapsel zur Erde schickte. Per Weltraumbahnhof Baikonur und Moskau ist der Beleg bei Lachhein zu Hause angekommen. Ein anderer Kosmonaut führte einen Brief in seinem Raumanzug im Kosmos spazieren. Riechen, fühlen oder schmecken lässt es sich nicht, aber es reicht, das Lachhein es weiß. Er könnte noch viele weitere Geschichten dieser Art schildern. Nur ein ganz besonderes Schreiben soll an dieser Stelle noch erwähnt werden. Ein 175 Jahre alter Brief, versehen mit der ersten Marke der Welt - der so genannten "One Penny Black" - erhielt rund 400 Kilometer über der Erde ebenfalls einen neuen amtlichen Stempel.

Der ehemalige Chemiker bei Hoechst und Bayer war gerade 17 Jahre, als er die erste Mondlandung fasziniert im Fernsehen verfolgte. Etwa zeitgleich packte ihn die Sammlerleidenschaft, die bis heute nicht nur anhält, sondern sich immer mehr verstärkt. Wie unermüdlich der gebürtige Berliner agiert, zeigt sich darin, dass er die Ausstellung in Leverkusen, bei der zuletzt einige hundert seiner zigtausend Briefe zu sehen waren, ein halbes Jahr vorbereitete.

Nächstes ehrgeiziges Ziel ist die Teilnahme an der Weltausstellung. Dazu muss er sich bald in Holland qualifizieren. Denn selbst Topsammlungen, schilderte Lachhein, müssten sich, ähnlich wie beim Fußball, hocharbeiten, um eine Runde weiter zu kommen.

Insgesamt lässt es der Wissenschaftler, der früher aufregende Bergrennen - eine gesonderte Disziplin innerhalb des Motorsports - fuhr, heute jedoch ruhiger angehen. Außer mit Astrophilatelie befasst er sich in seiner Freizeit auch gerne mit Evolutionsbiologie und Kulturgeschichte. Um bei seiner Sammelleidenschaft voran zu kommen, bedarf es vielfältiger Unterstützung. Die findet er in einem weltweiten Netzwerk mit rund 10.000 Nutzern. "Sonst sind solche Sammlungen nicht zu bekommen", erklärte Lachhein. Unter ihnen ist auch ein Österreicher, der einen ganz besonderen Mail-Kontakt pflegt: Als einer von wenigen Erdenbürgern gelangen seine Nachrichten direkt und ohne Umwege zur ISS. Persönlichen Kontakt pflegt er mit rund 30 Personen. Unter anderem kennt er die deutschen Astronauten Ulf Merbold und Sigmund Jähn. Er dokumentiere ihre Arbeit, dafür würden sie ihm Briefe für seine Sammlung schicken. "Für die Raumfahrer ist meine Sammlung eine Win-Win-Situation", so Lachhein.

Quelle: RP
 
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