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Leverkusen
Privater Zug soll Wartezeiten verkürzen

Leverkusen: Privater Zug soll Wartezeiten verkürzen
Ein Blick ins Innere: Der vollklimatisierte Zug des Typs "Talent 2" wird ab der Fahrplanänderung vom 12. auf den 13. Dezember auch durch Leverkusen fahren. FOTO: Michael Bader
Leverkusen. Ab Mitte Dezember rollen die blau-weißen Waggons von National Express im Opladener Bahnhof vor. Sie sollen einen Schlussstrich unter überfüllte Züge und Verspätungen ziehen. Was sich sonst noch im Winterfahrplan ändert. Von Simon Janssen

Genervte Gesichter aufgrund von Zug-Verspätungen sind am Opladener Bahnhof keine Seltenheit. Das soll sich schon bald ändern - vom 12. auf den 13. Dezember, um genau zu sein. Denn ab dann wird das britische Unternehmen National Express Triebwagenzüge des Typs "Talent 2" auf den Linien des Regional Express 7 (Münster - Wuppertal - Köln - Krefeld) und der Regionalbahn 48 (Köln - Wuppertal) einsetzen. Zehn dreiteilige und 25 fünfteilige Elektrotriebzüge stehen bereit. Derzeit absolvieren sie Testfahrten.

Noch gehört der RE 7 zu den vier Linien in NRW mit den längsten Verspätungen. "Das liegt daran, dass diese Linien in ihren Fahrbahntrassen zwischen zwei Fernverkehrszügen ,eingeklemmt' sind", erklärt Pro-Bahn-Sprecher Lothar Ebbers. Laut Qualitätsbericht des Verkehrsbundes Rhein-Ruhr (VRR) kam rund jeder fünfte RE 7 im vergangenen Jahr zu spät. Die Pünktlichkeit soll künftig durch eine neue Höchstgeschwindigkeit der blau-weißen Fahrzeuge von 160 km/h (zurzeit 140 km/h) gesteigert werden. Zudem sollen die neuen spurtstarken Züge in der Lage sein, die Auswirkungen auf der viel befahrenen Achse Hamm - Wuppertal - Köln zu kompensieren und durch ein optimiertes Beschleunigungsverhalten eine verbesserte Fahrplanstabilität zu erreichen.

Der großzügige Bereich der 1. Klasse verfügt über erweiterbare Tische. FOTO: Michael Bader

Fahrgäste müssen sich im RE 7 zudem regelmäßig über stark gefüllte Waggons ärgern. Auch dem will National Express entgegenwirken. Im Vergleich zu den aktuell von der Deutschen Bahn eingesetzten Doppelstockwagen wird die Kapazität um etwa 30 Sitzplätze auf 510 Plätze pro Zug erhöht. Im Innenraum ähnelt die Aufteilung mit großzügigen Mehrzweckbereichen für Rollstühle, Kinderwagen oder Fahrräder sowie stufenlosem Einstieg an allen Türen den Zügen diverser privater Verkehrsanbieter, die schon jetzt vermehrt im VRR unterwegs sind.

Als Bietergemeinschaft mit Integro Verkehr hatte sich National Express Anfang 2013 im europaweiten Wettbewerbsverfahren auch gegen die Deutsche Bahn durchgesetzt. Der Vertrag wurde für 15 Jahre abgeschlossen. Die unterlegene Deutsche Bahn machte von einer Einspruchsmöglichkeit Gebrauch, die Vergabekammer bei der Bezirksregierung Münster stellte jedoch keinen Vergaberechtsverstoß fest. "National Express hat einfach das wirtschaftlichere Angebot gemacht", sagt Pro-Bahn-Sprecher Lothar Ebbers.

Im großen Mehrzweckbereich mit Abstellmöglichkeit für Fahrräder gibt es auch eine behindertengerechte Toilette. FOTO: Michael Bader

Laut National-Express-Geschäftsführer Tobias Richter investiere man 170 Millionen Euro zuzüglich der Lieferung von Ersatzteilen. Wie ein Sprecher des Unternehmens mitteilte, verfügten die neuen Züge zudem über hohe Energieeffizienz. Dadurch seien sie in puncto Klimaschutz sowie ökologischer Nachhaltigkeit wegweisend.

Die blau-weißen Züge sind jedoch nicht die einzige Neuheit, die auf Fahrgäste in Leverkusen zukommt. Weil die Regionalzüge auf der Strecke von Köln nach Düsseldorf fast immer überfüllt sind, wird zum Fahrplanwechsel eine zusätzliche Regional-Express-Linie eingerichtet. Die Linie mit der Bezeichnung RE 6a soll im Stundentakt von Düsseldorf über Neuss und Dormagen bis zum Flughafenbahnhof Köln-Bonn fahren. Dies betrifft Leverkusen indirekt. "Dadurch soll eine Entlastung zu den Linien RE 1 und RE 5 geschaffen werden. Die sind immer sehr voll, darum haben wir uns für eine dritte Möglichkeit entschieden", sagt Holger Klein, Sprecher des Verkehrsbundes Rhein-Sieg (VRS). Da eine Lösung auf der rechtsrheinischen Seite aufgrund belegter Trassen nicht mehr möglich war, entschied man sich für die linksrheinische Option.

Höhere Preise müssen Fahrgäste zum Fahrplanwechsel übrigens nicht befürchten: Auf Preiserhöhungen verzichtet die Deutsche Bahn weitgehend im Fernverkehr in der ersten und zweiten Klasse. Auch die Preise für Bahncard und Zeitkarten bleiben stabil. Ursache für die Zurückhaltung der Deutschen Bahn ist die Konkurrenz durch Fernbusse, die der Bahn in den vergangenen Jahren auf den Fernstrecke viele Fahrgäste abgenommen haben. Die will sich die Bahn nun zurückholen.

Quelle: RP
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