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Leverkusen
Puppenspiel mit viel Gefühl

Leverkusen: Puppenspiel mit viel Gefühl
Bei der "Schachnovelle" verschmilzt Stefan Kautz nahezu mit seinen Figuren. Gero John (l.) begleitet die Aufführungen musikalisch. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Puppentheater ist nicht jedermanns Geschmack. Oftmals wird es als "kein echtes Schauspiel" belächelt. Doch die "Bühne Cipolla" belehrt die Kritiker eines Besseren. Denn ihre Kunst ist einzigartig, berührt und geht ins Herz. Von Tobias Falke

Mit Stefan Zweigs "Schachnovelle" waren Stefan Kautz und Gero John bereits zum zweiten Mal auf der Bühne des Forums zu sehen, nachdem sie im April 2015 an gleicher Stelle ihre Premiere feierten.

Rund zweieinhalb Jahre ist das Stück mittlerweile auf Reisen gegangen, hat viel erlebt und ist noch reifer geworden. Wobei das eigentlich schwer zu sagen ist über ein Stück, dem bei seiner Premiere schon eine perfekte Kombination aus Skurrilität, Genialität, Verstörtheit und Harmonie gelang. Diese Symbiose ist nun abgeschlossen. Kaum vorstellbar, dass ein anderer Künstler Zweigs Charakterstudie über drei monomanische Persönlichkeiten so detailreich wiedergeben kann.

Kautz verschmilzt nicht nur förmlich mit seinen Figuren. Mit seinem Ausdruck und seiner Leidenschaft werden diese noch spürbarer und intensiver für den Beobachter. Da er alleine spielt, werden Verzweiflung und Einsamkeit nahbar - Merkmale, die in Zweigs "Schachnovelle", aber auch in seinem persönlichen Leben stets einen großen Platz einnahmen. Gero John gibt dem Stück mit musikalischer Begleitung den benötigten Feinschliff. Mal düster, mal abstrakt und manchmal mit einer gewissen Portion Sarkasmus oder Humor fängt er die Stimmung auf und transportiert sie in die Köpfe der Besucher.

Die Puppen, die von Melanie Kuhl für die "Bühne Cipolla" speziell angefertigt werden, entfalten so immer weiter ihre Persönlichkeiten. Und mit Frank Barufke, der das Beleuchtungskonzept erstellt und sich somit ums Feintuning während des Stückes kümmert, arbeiten schlussendlich vier Künstler zusammen, die gemeinsam die Essenz der Literatur finden, verstehen und umzusetzen wissen. Sie schauen über den Tellerrand, verbinden einzelne Kunstbereiche und lassen auf der Bühne Magisches entstehen.

Das Publikum im ausverkauften Forum war begeistert vom Auftritt. Es durfte danach noch die Puppen bestaunen und sogar anfassen - das ist selten im künstlerischen Metier. Ein Besucher war sich sicher, dass Stefan Kautz die verschiedenen Stimmen der einzelnen Charaktere "mit einem technischen Gerät" veränderte. "Nein, das ist alles meine eigene Stimme", verriet der Künstler. Diesen Anspruch habe er.

Der "Bühne Cipolla" gelang es damit, Puppen-Fans, Theatergänger, Literaturbegeisterte und Musik-Liebhaber zu vereinen. Auch das ist im Theater nicht immer gegeben. Chapeau!

Quelle: RP
 
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