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Leverkusen
Reger-Abend in der Christuskirche

Leverkusen. Am 18. jeden Monats findet um 18 Uhr ein Konzert in der Wiesdorfer Christuskirche statt. Das ist das Konzept der "Reihe 18", die der neue Kirchenmusiker Bertold Seitzer ins Leben gerufen hat. Nun war Johannes Quack, Organist der Kölner Antoniterkirche, zu Gast mit einem Programm zum Reger-Jahr. Vor 100 Jahren ist der 1873 geborene Max Reger gestorben. Von ihm stammte aber nur die Hälfte der Stücke, denn Quack setzte auf eine Gegenüberstellung mit Johann Sebastian Bach, dem Referenzpunkt für Orgelkomponisten. Von Monika Klein

Max Reger war großer Bewunderer Bachs, bezeichnete dessen Werk als Anfang und Ende aller Musik. Auf die Frage, was ihn daran fasziniere, antwortete er: "die Geheimnisse der Harmonie". Ein passender Titel also für einen Reger-Abend, an dem Quack zunächst Stücke vorführte, die von Bachs reicher wie kühner Harmonisierung zeugen, die Hörer bis heute in Erstaunen versetzt, an der Gemeinde und Presbyterien im frühen 18. Jahrhundert aber durchaus Anstoß nahmen.

Diese Reaktionen sind nachvollziehbar, macht man sich die barocken Hörgewohnheiten bewusst, während Quack die Fantasie G-moll (BWV 542) ruhig und ohne große Veränderung spielt. Toccatenartige Läufe münden in verblüffende und verwegene Akkord-Harmonien. Dann schreitet eine Tonlinie über liegende Klänge und verursacht Dissonanzen, die sich alsbald auflösen, die Wohlfühlharmonie durch weitere Bewegung alsbald neu stören. Ähnlich ist das "Kleine harmonische Labyrinth" (BWV 591) angelegt, mit dem Bach ein musikalisches Pendant zu den Irrgärten barocker Parkanlagen schuf. Hier sind es figurierte Linien, die Bach durch verschlungene harmonische Irrwege leitet und die Kompositionslehre seiner Zeit auf den Kopf stellt.

150 Jahre später versuchte sich Reger als Grenzgänger, etwa im freien C-Moll-Präludium mit einem Getümmel mit-, durch- und gegeneinander rollender Stimmen, die in eine Klangorgie münden. In unterschiedlichen Charakterfarben registrieren dagegen drei ausgewählte Choralvorspiele zu Luther-Liedern, mit denen Quack auf das Luther-Jahr hinwies, das am Reformationstag beginnt. Darunter das Reformationslied, das als Bekenntnis an der verhüllten Kirchenfront zu lesen ist: "Ein feste Burg ist unser Gott".

Am Ende, bei Regers Fuge C-Dur, klang es wieder nach Bach, der die kunstvolle Kompositionsform der Fuge zum Höhepunkt geführt hat. Umgekehrt atmete die Orgelbearbeitung von Bachs Präludium und Fuge B-Dur aus dem ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers schon das Empfinden des Romantikers.

Quelle: RP
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