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Holzvermarktung in Leverkusen
"Forstwirtschaftliches Erdbeben für Waldbesitzer"

Regionalforstamt Bergisches Land: Keine Holzvermarktung mehr
Holz auf einem Waldweg. FOTO: Joachim Preuß
Leverkusen. Schlechte Nachrichten für die heimischen Waldbesitzer: Das Forstamt stellt ab 2019 die Holzvermarktung ein. Waldbesitzer müssen sich selbst um den Verkauf kümmern. Von Tim Kronner und Stefan Gilsbach

Das Regionalforstamt Bergisches Land wird sich in Zukunft nicht mehr um die Vermarktung des privaten Holzbestandes kümmern (dürfen). Das hat die Landesregierung jetzt mitgeteilt. Bedeutet: Die Waldbesitzer und Forstbetriebsgemeinschaften müssen sich ab dem 1. Januar 2019 selbst um den Verkauf ihres Holzes kümmern. Harald Keller, der bisher die Vermarktung beim Landesbetrieb betreut, nennt das ein "forstwirtschaftliches Erdbeben". Denn der eigenständige Holzverkauf ist für die Waldbesitzer, die oft nur über kleine Flächen verfügen, so gut wie unmöglich. Es muss eine Lösung her.

Diesen Schritt geht das Forstamt nicht freiwillig. Grund dafür ist ein Kartellverfahren aus dem Jahr 2002. Damals hatten sich in Baden-Württemberg einige Sägewerk-Verbände beschwert, weil das Land Holz aus Staats- und Privatwäldern gemeinsam vermarktete. "Es hieß: ,Damit bindet ihr eine zu große Marktmacht'. Dieser Ansicht ist das Bundeskartellamt gefolgt", sagt Kay Boenig, Leiter des Regionalforstamts Bergisches Land. In einem ersten Schritt wurden deshalb die Gebühren angehoben, doch das reichte nicht. Dem abzusehenden Vermarktungsverbot kam die Landesregierung nun zuvor.

"Das ist ein großes Problem", meint Karl Zimmermann, Förster für den Landesbetrieb Wald und Holz im Bezirk Leichlingen. "Beim Kartellamt ist man der Meinung, die Behörden stecken zu tief in der Vermarktung drin. Jetzt müssen neue Strukturen gefunden werden." Eine Hoffnung gebe es noch, dass die Regelung nicht so radikale Folgen haben wird: Noch stehe ein Gerichtsurteil aus, bei dem es darum geht, ob die Vermarktung schon beginnt, "wenn der Förster mit dem Spray einen Baum markiert, oder erst, wenn das Holz aufgearbeitet am Weg liegt."

Gerd Willms ist Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft, die für Waldbesitzer in Leverkusen und Leichlingen zuständig ist. "Wir müssen uns neu organisieren", meint er. Nicht nur die Vermarktung an sich, auch die Beantragung von Fördergeldern läge künftig in den Händen der Waldbauern alleine.

Beim Regionalforstamt sieht man weitere negative Auswirkungen - auch für die Umwelt. "Nach Stürmen wie ,Friederike' liegen viele umgestürzte Bäume im Wald. Damit die Besitzer Geld haben, diesen wieder vernünftig aufzuforsten, muss das Holz verkauft werden", sagt Keller. Wenn diese Möglichkeit fehlt, gehe das auch zu Lasten der bislang gepflegten und gesunden Wälder. Auch auf Seiten der Sägewerker bereut man die Beschwerde von vor mehr als 15 Jahren mittlerweile - vermutet man bei den Forstämtern. "Es könnte durch die kleineren Mengen zwar zu einem Preisdiktat der Sägeindustrie kommen, die Unternehmen haben aber auch einen großen Nachteil", sagt Boenig. Denn die Industrie bekommt das Holz dann nicht mehr gebündelt angeboten, hat also mehr Aufwand und Kosten.

Die Lösung: Der Aufbau einer privaten Dachorganisation, die die Vermarktung für alle Forstbetriebsgemeinschaften übernimmt. Bestrebungen, diese "Forstwirtschaftliche Vereinigung Bergisches Land" zu gründen, gibt es bereits. Zehn von 44 Gemeinschaften haben sich schon zusammengetan. "Es kann sich jeder anschließen", sagt Keller. Hilfe zugesichert hat der Oberbergische Kreis - durch eine Anschubfinanzierung und die Abordnung von Fachpersonal. Theoretisch könnten sich auch die Waldbesitzer in Leverkusen und Leichlingen anschließen, sagt Gerd Willms. Denkbar wäre aber auch, dass man bei der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Olpe andockt, die ihren Sitz im Sauerland hat. "Eine weitere Möglichkeit wäre die Vermarktung über die Rheinische Warenzentrale", zählt Willms aus. "Doch das steht noch alles in den Sternen."

Quelle: RP
 
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