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Skandal in Leverkusen
Reinigungsdienst soll an Hehlerei in Flüchtlingsheim beteiligt sein

Skandal in Leverkusen: Reinigungsdienst soll an Hehlerei in Flüchtlingsheim beteiligt sein
In diesen Wohncontainern lebten die Flüchtlinge an der Auermühle. Dieses Bild entstand bei einem öffentlichen Besichtigungstermin. FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen. Sie sollen in die illegalen Geschäfte in der Leverkusener Flüchtlingsunterkunft verstrickt gewesen sein - deshalb hat die Polizei nun sechs Wohnungen von Verdächtigen untersucht. Damit wird der Kreis der Beschuldigten größer.  Von Ludmilla Hauser

Bei den Ermittlungen im Skandal im Flüchtlingsheim Auermühle ist die Polizei am Mittwoch einen Schritt weitergekommen. Im Morgengrauen durchsuchten Beamte sechs Wohnungen von Verdächtigen in Köln und Leverkusen. Sie sollen möglicherweise in die kriminellen Machenschaften verwickelt sein.

"Gegen die Wohnungsinhaber laufen derzeit Ermittlungen wegen des Verdachts der Hehlerei. Ihnen wird vorgeworfen, von Flüchtlingen Diebesgut angekauft zu haben", fasste die Behörde am Nachmittag zusammen.

Noch in der Dämmerung hätten Kripo-Beamte mit Durchsuchungsbeschlüssen vor den Wohnungen in Mülheim und Ehrenfeld in Köln und in Rheindorf und Opladen gestanden. Zwei weitere Wohnungen hatte die Polizei schon vor zwei Wochen in Mönchengladbach und in Köln-Kalk durchsucht. Ermittelt wird mittlerweile sowohl gegen Flüchtlinge als auch gegen Sicherheitspersonal, Reinigungskräfte und "leider auch Personal des Betreibers der Unterkunft, dem Malteser Hilfsdienst", sagte ein Polizeisprecher.

Ausgelöst hatte die Ermittlungen ein ein 22-jähriger Marokkaner aus der Unterkunft. Er hatte sich gegen die Verlegung in eine andere Unterkunft gewehrt und gegenüber der Heimleiterin und der Polizei Bewohner der Unterkunft und Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes belastet. Letztere sollen Drahtzieher für die Ladendiebstähle gewesen seien.

Bereits vor mehr als zwei Wochen hatte die Polizei die Unterkunft durchsucht und mutmaßliches Diebesgut wie Sportbekleidung und Turnschuhe sowie eine geringe Menge Cannabis sichergestellt. Schon davor hatte die Polizei gegen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma wegen Hehlerei und Anstiftung zum Ladendiebstahl ermittelt.

Acht Flüchtlinge waren beteiligt

Wegen der schweren Vorwürfe setzte die Behörde eine Ermittlungsgruppe ein. Durch deren Arbeit weitete sich der Verdacht auf mittlerweile 17 Beschuldigte aus. Am Mittwoch nannte die Polizei Details: Betroffen sind acht männliche Flüchtlingen im Alter zwischen 18 und 27 Jahren, vier Sicherheitsmitarbeiter (23, 43, 49, 50 Jahre alt), zwei Mitarbeiterinnen einer Reinigungsfirma (37, 50), eine Frau (28) und zwei Männer (44, 50) des Malteser Hilfsdienstes, der die Unterkunft bis zur Schließung vor knapp zwei Wochen betreute.

Dass auch gegen Mitarbeiter der Malteser ermittelt wird, erscheint besonders hart. Tim Feister, Chef des Leverkusener Ortsverbandes, hatte sich in der vergangenen Woche zutiefst schockiert über die Vorfälle gezeigt und geäußert, es gebe seines Wissens nach keine Anhaltspunkte dafür, dass Mitarbeiter der Malteser in die Taten involviert gewesen seien. Am Mittwoch wusste Feister noch nichts zur möglichen Verwicklung von Malteser-Mitarbeitern. Er bekräftigte aber: "Wir arbeiten im engen Schulterschluss und mit Hochdruck mit der Polizei zusammen. Das muss bis ins Detail aufgeklärt werden und alle, die schuldig sind müssen auch mit aller Härte bestraft werden."

Maltester sind von eigenen Mitarbeiter enttäuscht

Er sei extrem enttäuscht darüber, unterstrich Feister, dass es offenbar Menschen gebe, die eine solche soziale Einrichtung für derlei Taten ausnutzen: "Ich bin darüber stinksauer."

Der polizeibekannte 22-jährige Marokkaner sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft, weil er erneut - diesmal in Kerpen - beim Ladendiebstahl erwischt wurde. Unterdessen überprüfen die Ermittler die Funde. Es geht um Mobiltelefone, die die Behörde in den insgesamt acht Wohnungen sicherstellte. "Darüber hinaus wurde am Mittwochmorgen nichts gefunden", sagte ein Polizeisprecher.

Quelle: RP
 
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