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Leverkusen
Handbreiter Riss gefährdet Rheinbrücke

Leverkusen. Ab Freitag wird die A1-Rheinbrücke teils gesperrt. Richtung Dortmund bleibt nur eine Spur frei. In der Brücke herrscht dann Hochbetrieb: Schweißer sanieren ein tragendes, aber deutlich gerissenes Stahlstück. Von Ulrich Schütz

Irgendwie haben sich fast alle mit den engen Fahrspuren auf der A1-Rheinbrücke und dem Lkw-Fahrverbot arrangiert. Die Pkw-Fahrer quälen sich täglich hingebungsvoll durch das Nadelöhr, die meisten Lkw-Fahrer meiden den maroden Stahlriesen, die Unternehmerverbände klagen mit wachsender Routine alle paar Wochen über die Behinderungen. Das war es. Dass die Brücke weiter stark durch Schäden, auch durch neu entdeckte, in der Standsicherheit gefährdet ist, scheint aus dem öffentlichen Bewusstsein fast verdrängt zu sein - dabei geben die Experten keine Garantie ab, wie lange die Brücke noch offen bleiben kann.

Ein handbreiter Riss in einem Hauptträger ist jetzt Anlass für die Teilsperrung der wichtigen Autobahn-Rheinbrücke. Die Schweißer brauchen eine möglichst schwingungsruhige Zeit, um den Bereich reparieren zu können. Zunächst wird ein etwa 35 x 10 Zentimeter kleines Stahlstück mit einem handbreiten Riss herausgeschnitten, damit es durch ein neues, stabileres Teil ersetzt werden kann. In dieser Zeit gilt die Tragfähigkeit der Brücke als "eingeschränkt", deshalb auch das Sperren von zwei Fahrspuren in Richtung Dortmund (die Gegenseite bleibt offen).

Risse entstehen in der Rheinbrücke meist dort, wo der Stahl unerwünschte Einschlüsse und damit Schwachstellen aufweist. Wird dieser Schaden nicht möglichst früh behoben, sind schnell längere, gefährlichere Rissbildungen möglich.

Die jetzt entdeckte neue Reparaturstelle bedeutet auch: Die Schadensentwicklung in der Rheinbrücke ist nicht zum Stillstand gekommen, obwohl täglich saniert und verstärkt wird. "Deshalb ist die Anweisung, dass weiter keine Fahrzeuge über 3,5 Tonnen über die Brücke dürfen, unbedingt richtig", betonte gestern ein Sprecher des verantwortlichen Landesbetriebs Straßen.NRW.

Die IHK Köln und die Handwerkskammer Köln forderten gestern den "schnellstmöglichen" Neubau der Rheinbrücke - und zwar mit fünf Fahrspuren. Auf keinen Fall dürfe die Brücke kleiner ausfallen. Immerhin sei der Neubau auf das Verkehrsaufkommen des Jahres 2030 ausgelegt.

"Die alltägliche Stausituation ist unerträglich", klagte Ulrich S. Soénius, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Köln und zuständig für Infrastruktur, gestern. Und: "Die Wirtschaft in der Region fordert ein klares Signal von der Politik für den Neubau der Leverkusener Brücke. "Es darf nicht sein, dass Entscheidungen von langfristiger Bedeutung zugunsten von Kooperationsvereinbarungen für eine Ratsperiode geopfert werden." Gemeint sind damit Kölner Politiker der Grünen und der CDU. Die Handwerkskammer Köln beklagt, dass den Betrieben in (allen) Staus 240 Mio Euro Zusatzkosten entstünden.

Quelle: RP
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