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Leverkusen
Richrath, Rheindorfer, Oberbürgermeister

Leverkusen: Richrath, Rheindorfer, Oberbürgermeister
Uwe Richrath im Hof seines Hauses in Rheindorf. Hinter der Hecke fängt der Garten an - etliche alte Obstbäume, ein Gewächshaus, ein bisschen Nutzgarten. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. In zweieinhalb Wochen übernimmt Uwe Richrath (SPD) das Büro des Oberbürgermeisters. Wer ist der Mann hinter dem Amt? Hausbesuch in Rheindorf. Von Ludmilla Hauser

Neben dem Esstisch lässt sich sacht ein angebundener Glückwunschluftballon vom Luftzug treiben. "Der Ballon gehört meinem Sohn. Paul ist 18 geworden", sagt Uwe Richrath und bittet Platz zu nehmen. Auf einem alten Turnpferd, dem die Beine auf Sitzmöbelhöhe gestutzt wurden. "Eine Entdeckung vom Trödelmarkt."

Das gestutzte Pferd steht in der zweiten Etage eines alten, schönen Hauses in Rheindorf. Von dort oben lässt sich der Fluss hinter dem Damm erahnen. Fast Rheinblick. Nebenan wohnt Richrath's Mutter, die großen Gärten verschmelzen hinter den Häusern. Dort treffen Obstbäume auf viel Rasen, bei dessen Kürzung wieder Paul ins Spiel kommt: "Das Mähen teilen wir uns", sagt der künftige Oberbürgermeister. Bei der Betreuung des Gemüsebeets hilft Richraths Mutter. Er legt auch Hand an. Das kennt er aus Kindertagen, als er einen kleinen Garten mit Kartoffeln, Salat und weiterem Grün beackerte. Er arbeite gerne mit bloßen Händen in der Erde, sehe gerne, wie Dinge wachsen, erzählt der Sozialdemokrat. Der letzte Teil des Zitats passte auch in eine der vielen Ansprachen, die er in den kommenden fünf Jahren wird halten dürfen - oder müssen.

Der SPD-Politiker und Rheindorfer aus Leidenschaft mag Modellboote, Weltkugeln, einen geschmackvollen Mix aus Möbeln und Dekoration. FOTO: Uwe Miserius

"Oberbürgermeister, das ist eine riesengroße Aufgabe." Ob er Angst davor hat? Der gebürtige Rheindorfer winkt ab. "Angst nicht. Das lähmt. Aber Ehrfurcht vor der Aufgabe." Ein Teil davon werde sein, den Wandel in der Stadt mitzubegleiten. Die Worthülse füllt Richrath so: "Arbeitssituationen haben sich für die Leverkusener geändert, es gibt eine andere Freizeitgestaltung und somit andere Erwartungen an die Stadt." Und auch einen Wandel in der Wahrnehmung von Lokalpolitik. "Eine Aufgabe ist, junge Menschen wieder für Politik, für die SPD zu begeistern."

Uwe Richrath hat sich lange nicht für Parteipolitik interessiert. In der Gesamtschule in Rheindorf, an der er Abitur machte, sei er politisch aktiv gewesen. Eine Karriere in einer Partei aber "war erstmal kein Weg für mich". Zum Establishment wollte Richrath nicht gehören. "Irgendwann habe ich erkannt, das muss doch sein, wenn man etwas erreichen will. Dass es die Sozialdemokratie wird, war klar, ich komme aus einem Arbeiterelternhaus." Richrath hat die Tür zum Balkon mit Kräuter-Minigewächshaus geschlossen, der Ballon steht still.

Der Weg zum Erkennen, was für ihn richtig und wichtig ist, kreuzt auch in einem anderen Lebensbereich seinen Weg: In der Jugend war er in der Kirchengemeinde St. Aldegundis aktiv, Messdiener, Kirchenchor, Jugendarbeit. "Später gab es Momente, wo ich mich nicht mit der Institution katholische Kirche identifizieren konnte." Mittlerweile ist Richrath wieder in die Kirche eingetreten, weil ihm etwas gefehlt habe. "Ich bin mit dem katholischen Glauben groß geworden."

Und mit einem älteren Bruder Ralf, einer Leidenschaft für Modellboote, Weltkugeln, altes Spielzeug. "Eigentlich wollte ich Architekt werden, habe immer schon Häuser geträumt." Studiert hat er Betriebswirtschaftslehre, machte sich mit einem Benetton-Modeladen selbstständig. "In Remscheid war bei diesem Franchise-System gerade ein Laden frei. So kam ich ins Bergische, bin da mit meinen Geschäften geblieben." Dort hatte er auch mal eine Wurstbraterei. Der gepflegte Mann, modisch gekleidet, Armreif am Handgelenk, in der fettgeschwängerten Luft einer Wurstbraterei? Wieder winkt er ab: "Wurst gebraten habe ich nie."

Auch in seinen Geschäften - mittlerweile verkauft Richrath Bekleidung von Marc Cain - stehe er nicht mehr im Verkauf. "Ich mache die Konzeption, meine Frau Anne den Einkauf." Offenbar auch zu Hause im Mix aus alten und modernen Möbeln - siehe Turnpferd - über zwei Etagen funktioniert die Arbeitsteilung. Der 56-Jährige, der das Haus aus dem Jahr 1908 nach eigenen Konzepten umbaute und den Garten anlegte, ist oft draußen, seine Frau kocht. Gerne italienisch.

Richrath schlägt den Weg zum Treppenhaus, Ziel Garten, ein. "Ich bin ein kreativer Mensch." Gleichzeitig, sagt er, sei er sehr zäh - der Abendmensch läuft täglich, oft am Rhein -, habe Disziplin, Willenskraft, sei strebsam, fleißig, tolerant, etwas unpünktlich. Er könne Niederlagen wegstecken - "abhaken und weiter nach vorn", sagt's und geht in den Garten. Ein Stück Natur wird mitkommen, wenn Uwe Richrath sein neues Büro in Wiesdorf bezieht. "Auf dem Schreibtisch möchte ich eine Vase mit einer Rose haben." Rot? "Farbe egal", versichert der Sozialdemokrat.

Quelle: RP
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