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Leverkusen
Rocker-Einsatz weckt Furcht vor Gewaltwelle

Leverkusen. Nach der Erstürmung des Leverkusener Clubheims der "Bandidos" an der Mülheimer Straße fürchten viele Menschen insbesondere in der näheren Umgebung weitere Gewalt. Von Manfred Schweig

Polizisten mit Maschinenpistolen sichern am Tag nach dem Zugriff das Gelände vor dem Vereinsheim des Rockerclubs "Bandidos" an der Mülheimer Straße in Schlebusch. Wo wenige Stunden zuvor Scheiben barsten und Türen aufgebrochen wurden, herrscht jetzt gespannte Ruhe.

Es war eine schnelle und harte Aktion, die SEK-Einsatzkräfte, unterstützt durch eine Hundertschaft der Polizei, am späten Freitagabend an diesem Clubhaus durchgeführt hatten.

Mit vier richterlichen Durchsuchungsbeschlüssen und jeder Menge schwerem Gerät ausgestattet, hatte die Polizei Köln das Clubheim der Rockergruppierung "Bandidos MC Cologne" sowie drei Wohnungen in Leverkusen und Erftstadt (Rhein-Sieg-Kreis) durchsucht. Dabei nahmen die Beamten drei Tatverdächtige (26, 26, 30) fest. Die Festnahmen sollen im Zusammenhang mit den Schüssen stehen, die am Freitagmorgen gegen 5.30 Uhr auf ein Einfamilienhaus in der Marienwerderstraße abgegeben worden waren. Dabei schlugen mehrere Projektile in der Hauswand und in einem Fenster in der ersten Etage ein. Zeugen sahen nach den Schüssen einen dunklen Pkw - möglicherweise einen 3er BMW - vom Tatort wegfahren.

"Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen führten auf die Spur mehrerer Tatverdächtiger, die den "Bandidos MC Cologne" zugerechnet werden", berichtete ein Polizeisprecher. In den durchsuchten Wohnungen stellten die Beamten mehrere Gaspistolen, Munition sowie eine Zwille mit Stahlgeschossen sicher. In der Leverkusener Wohnung beschlagnahmten die Polizisten Utensilien für eine Drogenplantage und fertig verpacktes Marihuana.

Einen vor dieser Wohnung geparkten Wagen stellten die Ermittler als mögliches Tatfahrzeug ebenfalls sicher. Der BMW werde nun kriminaltechnisch untersucht, hieß es in einer Pressemitteilung.

Unterdessen wächst in der Bevölkerung die Sorge vor neuer Gewalt: Gestern meldete sich der FDP-Ratspolitiker Friedrich Busch zu Wort. Der Opladener erhob schwere Vorwürfe gegen die Stadt Leverkusen: Die, so Busch, hätte das Bandidos-Clubhaus an der Mülheimer Straße verhindern müssen - denn das sei eine latente Bedrohung.

"Für die Anwohner in den angrenzenden Geschäfts- und Wohnhäusern besteht eine Gefahr für Leib und Leben, denn Clubhäuser von Rockergruppen sind in der Vergangenheit Zielscheiben für Angriffe verfeindeter Rockergruppen gewesen", warnt Busch.

Das treffe besonders auf die "Bandidos MC Cologne" zu, die sich zurzeit einen Machtkampf mit den Hells Angels lieferten. "Nicht ohne Grund haben die Bandidos ihren Sitz von Weilerswist-Lommersum nach Leverkusen verlagert", sagt der Politiker. "Dieses ehemalige Clubhaus ist im Mai 2014 Ziel eines Brandanschlages geworden. Außerdem wurden Flaschen mit Brandbeschleuniger in Richtung des Gebäudes in der Voreifel geworfen. Nicht auszumalen, wenn sich Ähnliches in Schlebusch wiederholt hätte und Nachbarhäuser in Brand geraten wären!"

Die Zahl der Rocker in NRW bleibt unterdessen auf hohem Niveau, wie der "Spiegel" unlängst unter Verweis auf das Landeskriminalamt in Düsseldorf berichtete. 92 Rockergangs mit zusammen 2.100 Mitgliedern habe die Polizei im Frühjahr diesen Jahres gezählt, heißt es in dem Bericht. 2014 seien es lediglich 1.200 in 62 Klubs gewesen.

Quelle: RP
 
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