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Leverkusen
Ruth Reimann ist neue Direktorin des Amtsgerichts

Leverkusen. Eigentlich hatte Dr. Ruth Reimann Ärztin werden wollen. Dann aber schlug das Gen von Vater und Großvater durch, die beide Notare waren, und die Kölnerin studierte Jura. Von Susanne Genath

"Ich hatte das Gefühl, man kann damit etwas bewirken", sagt sie. Nun leitet die 51-Jährige das Amtsgericht in Opladen. Ihr Vorgänger, Hermann-Josef Merzbach (66), ist in den Ruhestand gegangen.

Reimann weiß, dass sie keine leichte Aufgabe übernommen hat. "Das Personal hier ist, wie an anderen Gerichten, überlastet. Immer wieder kommt es dadurch zu Langzeiterkrankungen", berichtet sie. Insbesondere im Mittleren Dienst, wo rund 100 Frauen und Männer tätig sind: Rechtspfleger, Servicepersonal, Wachtmeister, Bewährungshelfer und andere. "Da könnten wir bestimmt eine zweistellige Zahl an zusätzlichen Mitarbeitern gebrauchen." Auch bei der Gruppe der rund 20 Richter, von denen viele - wie sie - in Teilzeit arbeiteten, wären zwei, drei Kollegen mehr angebracht. Aber die Mutter von zwei Jungen - acht und zehn Jahre alt - weiß, dass vorerst keine Besserung in Sicht ist. "2018 wird die Elektronische Akte eingeführt", sagt sie. Da sei nicht damit zu rechnen, dass vorher noch mal Personal aufgestockt werde. Zumal der Bearbeitungsstau in Leverkusen gering sei.

Reimann trägt auch das Gerüst an der Gerichtsfassade mit Fassung. "Mir wurde gesagt, dass es im März wegkommt", berichtet die Freizeitsportlerin. Glauben werde sie dies aber erst, wenn es tatsächlich weg sei. Herausforderungen im Alltag ist die 51-Jährige, die schon mal vor 20 Jahren als Proberichterin in Opladen tätig war, gewohnt. Ihr älterer Sohn hat das Down-Syndrom. Für ihn hat sie sich mit anderen Eltern angestrengt, dass 2012 in Köln eine inklusive Gesamtschule an den Start ging, an der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. "Inklusion liegt mir am Herzen", sagt sie.

Überhaupt müsse das menschliche Miteinander besser werden, findet Hermann-Josef Merzbach, der in seiner 36-jährigen Dienstzeit einen Verfall der Umgangsformen festgestellt hat. Insbesondere bei Familien. "Die Menschen sind heute kaum noch bereit, Kompromisse zu schließen", berichtet der ausgebildete Mediator, der 16 Jahre das Amtsgericht geleitet hat. Sei dies vor 20 Jahren noch in 80 Prozent der Fälle gelungen, lasse sich heute kaum noch die Hälfte der Männer und Frauen darauf ein. Meist zum Nachteil der beteiligten Kinder. Auch Schiedsgerichte würden viel zu selten in Anspruch genommen. "Die zwölf Leverkusener Schiedsleute haben nur rund 100 Fälle im Jahr." Dabei helfe dies, ebenfalls Gerichte und Polizei zu entlasten.

Quelle: RP
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