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Leverkusen
Sabotageakt wirkt sich auf Opladen aus

Leverkusen: Sabotageakt wirkt sich auf Opladen aus
Hunderte Bahnnutzer kamen gestern aus Opladen nicht weg - auf der Strecke von RB 48 und RE 7 waren bewusst Kabelbrände gelegt worden. FOTO: Bader (Archiv)
Leverkusen. Hunderte Reisende kamen gestern Morgen vom Opladener Bahnhof nicht weg. Grund: ein Kabelbrand auf der Strecke von RB 48 und RE 7. Der Brand wurde offenbar bewusst aus Protest gegen den G-20-Gipfel gelegt. Laut Polizei gibt es ein Bekennerschreiben. Von Susanne Genath

Klemens Hantke musste gestern unfreiwillig von zu Hause arbeiten. "Ich wollte den Regionalexpress um 8.25 Uhr von Opladen nach Köln nehmen", berichtete der Leverkusener. Aber als er auf der Bahnhofsbrücke war, sah er schon, dass irgendetwas nicht stimmte. "Auf beiden Bahnsteigen standen Hunderte Leute, und es tat sich nichts." Ein Bekannter, der seine Schwiegermutter zum Zug bringen wollte, habe ihm erzählt, dass es eine Störung gebe. "Von meinem Sohn habe ich dann erfahren, dass er mit dem Taxi nach Wiesdorf gefahren und dort in die S-Bahn-Linie 6 nach Köln gestiegen ist. Das klappt, weil dort die Rheinschiene verläuft und nicht die Bergische Strecke." Hantke entschied sich spontan für einen Home-Office-Tag. "Aber das kann ja nicht jeder."

Nach Auskunft der Deutschen Bahn wurden Kabel auf der Strecke zwischen Köln-Mülheim und Leverkusen-Schlebusch in Brand gesetzt. Dadurch war der Zugverkehr ab 4.15 Uhr gestört. Zwischen 7 und 13 Uhr fielen nach Angaben des Verkehrsunternehmens National Express sämtliche Fahrten der Regionalbahn RB 48 (Wuppertal-Oberbarmen bis Bonn-Mehlem) ab Opladen und ab Köln Messe/Deutz zwischen 7 und 13 Uhr aus.

Brandanschläge auf Kabelschächte bei der Bahn FOTO: dpa, pdz

Der Regionalexpress RE 7 (Rheine bis Krefeld) wurde mit Verspätungen über die Gütergleise umgeleitet, teilte Sprecherin Rebecca Viehoff mit. Die Störung dauerte bis zum Abend an. Problem der Brandstiftungen: "Die Signale lassen sich nicht bedienen", erklärte ein Bahnsprecher. Dadurch sei der Schaden auch am frühen Morgen festgestellt worden. "Gleich an mehreren Stellen blieben die Signale dauerhaft auf Rot stehen." Laut Bundespolizei wurden Kabel zwischen den Haltestellen Stammheim und Chempark - im Bereich Grüner Kuhweg - sowie nicht weit davon entfernt im Bereich des Dhünnwalder Kommunalwegs angezündet. Außerdem bei einer Bahnstrecke bei Düren.

"Die Täter sind überall gleich vorgegangen", berichtete Martina Dressler, Sprecherin der Bundespolizei in Köln. "Sie haben Kabelschächte entlang der Gleise aufgedeckt und Zündmittel hineingelegt." Verletzte habe es nicht gegeben. "Es gibt ein Bekennerschreiben mit Hinweis auf den G-20-Gipfel", sagte Dressler. "Wir geben die Ermittlungen deshalb an den Staatsschutz ab, denn es kann nun nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um eine politisch motivierte Tat handelt."

Die gleiche Vorgehensweise bei allen Brandstiftungen lasse darauf schließen, dass es sich um eine bandenmäßig organisierte Kriminalität handele. Daher betrachte man das Bekennerschreiben als echt. Zur Schadenshöhe können Bahn und Bundespolizei derzeit noch nichts sagen. Auf der Internetseite von "linksunten.indymedia.org" ist das Bekennerschreiben zu lesen: Man habe die Kabelstränge entlang mehrere Hauptstrecken der Bahn in Brand gesetzt, weil die Bahn die Kabelkanäle auch an andere Datennetz-Betreiber gebe. "Wir unterbrechen die alles umfassende wirtschaftliche Verwertung", heißt es in dem veröffentlichten Text. "Wir greifen ein in eines der zentralen Nervensysteme des Kapitalismus: mehrere Zehntausend Kilometer Bahnstrecke."

Quelle: RP
 
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