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Leverkusen
Schattenkabinett Erich Kästners auf der Bühne

Leverkusen. Ein Attentat auf den Präsidenten ist gerade glimpflich verlaufen, gestorben ist er an einer leichtsinnigen Amnestie-Erklärung, auf die sein Leibarzt irgendwie reagieren musste. Aber das ist kein Grund zur Beunruhigung, denn es gibt genug Ersatzkandidaten, die dem Landesherrn zum verwechseln ähnlich sehen. Die Bevölkerung wird nichts merken vom Personentausch, denn alle sind bestens geschult und kennen die üblichen Verlautbarungen aus dem Effeff. Es sind ohnehin unverfängliche Sprechblasen, Textbausteine, die allgemein Ruhe verbreiten und sich nach Belieben wiederverwenden lassen. Sie halten sich den vier anonymen Drahtziehern den Rücken frei, die in Wirklichkeit die Geschicke des Landes lenken und den Diktator wie eine Marionette lenken. Von Monika Klein

Erich Kästner schrieb "Die Schule der Diktatoren" unter dem Eindruck der Nazi-Herrschaft, die auch seine Bücher verbannte. Die Schauspiel-AG des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums hat die eher selten gespielte groteske Komödie einstudiert, aus aktuellem Anlass.

Sie passe in die Zeit, in der die Angst vor dem Ende des demokratischen Zeitalters immer größer werde, erklärt der Lehrer und Künstlerische Leiter Kai Wahle seine Stückauswahl. Ein weiteres Plus: Das Drehbuch bietet so viele Rollen, dass alle 30 Mitglieder der Schauspiel-AG auf der Bühne beschäftigt sind. In unterschiedlichem Umfang, so dass alle Altersgruppen ab Stufe acht angemessen eingesetzt werden konnten. Auch für die fünf Abiturienten, die schon mehrere Jahre Bühnenerfahrung sammeln konnten und mit dieser Produktion Abschied nehmen.

Einer von ihnen ist Sören Klempel, der in der Rolle des Premierministers aufgeht, für die er Gestik und Sprechtechnik bei Göbbels studierte. Oder Julius Hemmels, der als Kriegsminister zwar im Rollstuhl sitzt, aber nichts von seiner verbalen Schlagkraft eingebüßt hat.

Felix Kaufmann ist als Leibarzt die dritte Schlüsselfigur im Schattenkabinett und Henri von Landwüst gibt den zerstreuten Professor, der jedoch keineswegs harmlos ist und zielstrebig den identisch aussehenden Diktatorennachwuchs heranzüchtet, der von leichten Mädchen bei Laune gehalten wird. Darunter befindet sich auch ein getarnter Freiheitskämpfer, aber zum Happy End wird es trotz allem nicht reichen. Als Hintergrund schuf Marion Heyne mit ihrer Bühnenbau-AG unter anderem ein prächtiges Schloss. Die kurzen Umbaupausen auf abgedunkelter Bühne werden passenderweise von zünftigen Armeemärschen begleitet.

Aufführungen in der Aula des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums am Freitag, 31. März und am Montag, 3. April, Beginn jeweils 19.30 Uhr, Eintritt sechs/drei Euro.

Quelle: RP
 
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