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Leverkusen
Schattenwesen aus der Unterwelt

Leverkusen: Schattenwesen aus der Unterwelt
Beim Stück "Camouflage" der "Meimage Dance Company" wechseln geschickt die Szenen. FOTO: Internationale Tanzmesse Düsseldorf
Leverkusen. Tanz aus Taiwan und Wales war beim ersten Abend der Internationalen Tanzmesse Düsseldorf in Leverkusen zu sehen. Von Marion Meyer

Ein beiger Haufen liegt auf der Bühne. Erst allmählich schält sich eine Frau daraus hervor, weckt auch die anderen darin verborgenen Menschen. Sie sind in beigen Mänteln versteckt, die sie "unsichtbar" machen, aber bei jeder Bewegung rascheln. So taugt selbst die beste Tarnung nichts. Bei dem Stück "Camouflage" von Hsiao-Mei Ho aus Taiwan geht es, wie der Titel schon sagt, um das Verbergen. Als Doppel-Vorstellung mit einem Stück der "National Dance Company Wales" war es nun im Rahmen der Internationalen Tanzmesse Düsseldorf im Forum in Leverkusen zu sehen.

Geschickt wechseln in "Camouflage" die Szenen. Ein Luftballon an einer Schnur, stets woanders befestigt und mit einem Sandsack beschwert, durchmisst den Raum, teilt ihn immer wieder ein in neue Spielflächen. Sechs Männer und Frauen der "Meimage Dance Company" setzen an zum Lauf, stoppen wieder, werfen imaginäre Bälle, stehen auf einem Bein wie Wasservögel, gestikulieren Richtung Publikum. Was man alles tut, um sich zu verstellen, wird ausgelotet.

Doch Camouflage hat mit Täuschung zu tun, am anderen wie auch an sich selbst. An einem großen Tisch, auf dem zunächst noch Geschirr und Besteck bereit steht, isst und trinkt eine Frau. Später wiederholt sich die Szene, dann allerdings fehlen die Requisiten. Nur der Ton des klappernden Geschirrs bleibt, ersetzt es auf der sinnlichen Ebene.

Zwei Männer und zwei Frauen tauschen wiederholt die Kleider, doch bleiben anhand ihrer Bewegungen immer erkennbar. Schnell wechseln die Spielszenen. Die Tänzer verlassen nie die Bühne, bauen sie selbst um, wechseln die Kostüme am Bühnenrand. So bleibt die Maskerade immer deutlich. Ein kurzweiliges Stück voller Ideen, bei dem der Tanz eher nur eine Nebenrolle spielt.

Anders in "Folk", dem zweiten Stück an diesem Abend. Mit der Choreografie stellt sich die neue Leiterin der "National Dance Company Wales", Caroline Finn, vor. Was für eine Einführung! Das furiose Stück vereint verschiedene "Tableaux vivants", die sich an Gemälden des 17. und 18. Jahrhundert orientieren, mit dynamischen Solis und Ensembletänzen zu stampfenden Beats, die sofort mitreißen und begeistern.

Die Szenerie ist düster. Wie Schattenwesen wirken die neun Tänzer, gekleidet in zusammengewürfelten Kostümen wie von Clochards. Von einem Baum ist nur die weiße Wurzel zu sehen, die vom Bühnenhimmel herunterragt in diese Unterwelt. An die Wurzeln hängt eine Frau einige Laternen. Weiße Blattschnipsel bedecken den Boden.

Immer wieder versammeln sich diese Gestalten, ihre Gesten und Gesichtsausdrücke frieren ein, die Münder aufgerissen, die Arme mahnend ausgestreckt. Dann wieder lösen sie sich in Paaren aus der Gruppe und tanzen Duos zwischen zärtlicher Liebkosung und brutaler Umschlingung. Eine Frau, die auf Französisch vor sich hin ruft, wird mundtot gemacht und zurück in die Gruppe verfrachtet. Ein kurzes, kraftvolles Stück, das die Zuschauer am Ende jubeln lässt.

Wer die Gelegenheit hat, sollte sich heute (3. September) den letzten Abend der Gastspiele der Internationalen Tanzmesse im Forum unbedingt ansehen. Tickets gibt es unter: www.kulturstadtlev.de

Quelle: RP
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