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Leverkusen
Schießerei in Steinbüchel: Ex-Kumpel belasten Angeklagten

Leverkusen. Wer im Geschäft mit Drogen sein Auskommen sucht, muss wohl gute Nerven haben. Sehr gute sogar. Und die hatte der 32-Jährige aus Steinbüchel wohl nicht, als er im Juli 2014 zwei Schüsse auf einen angeblichen Konkurrenten abgegeben hat. Von Siegfried Grass

Am Freitag wurden Zeugen vor der 11. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts gehört - angeblich Freunde aus früheren Zeiten, die die zunehmende Nervosität des Beschuldigten in den Tagen vor der Schießerei beschrieben.

Zumindest einer der Geladenen entpuppte sich inzwischen als einer der ärgsten Feinde. Denn er ließ kein gutes Haar an dem Angeklagten. Welche persönlichen Ressentiments dabei eine Rolle spielen, ist nicht einmal so wichtig. Vielmehr ging es ums Geschäft. Um viel Geld, das nicht zuletzt dazu gebraucht wurde, die eigene Sucht zu finanzieren. Wenn ein "Läufer" mehr verdienen konnte als ein anderer, kam es oft zu Streitigkeiten. Als der Angeklagte, den man nach dem bisher Gehörten durchaus als Größe des Drogengeschäfts in der Stadt bezeichnen kann, spürte, dass seine Umsätze (die er offenbar auch mit dem Verkauf von Waffen, Kreditkartenbetrug und Einbrüchen ergänzte) drastisch zurückgingen, witterte er Konkurrenz in Steinbüchel. Fast um die Hälfte sei der Absatz in den Monaten vor der Schießerei geschrumpft.

Ohnehin musste man permanent aufpassen, berichtete einer aus dem früheren "Team" des Angeklagten, dass man nicht einen auf die Mütze kriegt. Einige haben inzwischen den Absprung geschafft, "damit ich nicht so ende wie er", sagte einer mit Blick auf seinen ehemaligen Freund. Der heute 26 Jahre alte Zeuge hatte auch vor drei Jahren Angst verspürt, als er zumindest glaubte, dass auf ihn geschossen wurde. Der Zeuge war offiziell Mieter der konspirativen Wohnung, die als Drogenverkaufsstelle fungierte. Dabei habe er den Mietvertrag unterschrieben, weil ein Freund wegen seines Schufa-Eintrags die Wohnung nicht erhalten hätte. Der Angeklagte, der damals mit der Mutter in einer Wohnung lebte, erhielt einen Schlüssel unter dem Vorwand, auch er wolle einmal mit einer Freundin alleine sein. Der offizielle Mieter, tagsüber berufstätig, hatte ein eigenes abschließbares Zimmer.

Als der Mieter einmal vom Angeklagten Waffen gezeigt bekam, erstattete er Anzeige und kündigte die Wohnung. Als wenige Tage später auf ihn geschossen worden sein soll, ist weggezogen. Gestern, vor Gericht bewertete er diese Entscheidung als richtig vor dem heutigen Wissen, dass der Angeklagte auf Menschen geschossen haben soll.

Ein anderer Ex-Kumpel, der sich vor mehr als acht Jahren von dem Angeklagten losgesagt hatte, fühlt sich bis heute von ihm verfolgt. Er als einer von den Tätern benannt worden sein, die einen "Läufer" des Angeklagten am Tag nach der Schießerei entführt und geschlagen haben sollen. "Schwachsinn. Der versucht nur, mir etwas in die Schuhe zu schieben, weil ich abgehauen bin und einfach zu viel von seinen Geschäften gewusst habe." Bis zu seiner Aussage hätte er nichts gesagt, "aber heute muss alles raus".

Quelle: RP
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