| 00.00 Uhr

Leverkusen
Schockierend niedrige Aufklärungsquote

So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern
So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern FOTO: dpa, Robert Schlesinger
Leverkusen. Nur jeder 15. Einbruch wird in Leverkusen aufgeklärt. Die Kripogewerkschaft sieht als Grund zu wenig Personal. Sie fordert außerdem härtere Urteile von Richtern, damit insbesondere Banden das Handwerk gelegt werden kann. Von Susanne Genath

Von den 13.958 Straftaten in Leverkusen im vergangenen Jahr wurden 46,6 Prozent aufgeklärt, verkündete die Polizei diese Woche. Klingt gut, trifft jedoch nicht überall zu. Denn bei Wohnungseinbrüchen sieht die Lage gar nicht so rosig aus. Hier beträgt die Aufklärungsquote in der Chemiestadt lediglich 6,6 Prozent, in Köln 7,8 Prozent. Das teilte die Polizei auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Und für Rüdiger Thust, Vorsitzender des Kölner Bezirksverbands des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, ist das nicht erstaunlich. "Wir beklagen seit Jahren, dass wir nicht genügend Polizisten auf der Straße und in den Kommissariaten haben", sagt er. "Ein Präsidium, das eine Millionenstadt wie Köln plus Leverkusen betreut, muss mit entsprechendem Personal ausgestattet werden. Wir könnten locker 200 Leute mehr gebrauchen."

So hebeln Einbrecher ein Fenster in 30 Sekunden auf

Schließlich habe sich gezeigt, dass mehr Polizeipräsenz auf der Straße die Täter abschrecke und Straftaten wie Taschendiebstähle zurückgegangen seien. Allerdings seien Wohnungseinbrüche für Beamte sehr viel schwieriger zu erkennen als beispielsweise ein Überfall oder ein Autoaufbruch. "Wenn ein Einbrecher hinter einer Hecke oder hinter einer aufgebrochenen Tür steht, kann das eine Polizeistreife nicht sehen. Die Kollegen müssen auf ihr Bauchgefühl hören." Hinzu komme, dass sich ganze Banden aus Osteuropa auf Wohnungseinbrüche spezialisierten und arbeitsteilig vorgingen. "Wenn Polizisten aber genügend Personal und die Zeit für Ermittlungen haben, gelingt es durchaus, Täter dingfest zu machen. Die Justiz müsste jedoch mehr Haftstrafen verhängen. Bewährungsstrafen schrecken die Täter meist nicht ab."

Dabei sei ein Wohnungseinbruch keineswegs ein Verbrechen unter "ferner liefen". "Neben dem Sachschaden kommt ja immer ein seelischer Schaden hinzu", weiß Thust. "Viele Opfer brauchen Monate, um das Eindringen in ihre Privatsphäre zu überwinden." Das kann die Leverkusener Landtagsabgeordnete Eva Lux (SPD) nachvollziehen. "Ich habe es einem wachsamen Nachbarn zu verdanken, dass ein Einbruch bei mir verhindert werden konnte", berichtet sie. Den steigenden Personalbedarf sieht auch sie. "Wir haben ja schon seit 2010 die Zahl der Ausbildungsplätze ständig erhöht", berichtet die Politikerin. "Wenn aber einmal massiv gestrichen wurde, wie in den Jahren davor, sind nicht von jetzt auf gleich wieder genügend Leute da." Drei Jahre dauere die Ausbildung, plus Fortbildungen. "Da braucht es Zeit, bis die Polizei ausreichend aufgestellt ist." Sie freue sich aber, dass Polizeipräsident Jürgen Matthies die Sicherheitskonferenz mit Leverkusen wieder aufleben lassen wolle.

Rainer Deppe (CDU) sieht ebenfalls Handlungsbedarf. "Während die Zahl der Einbrüche seit 2010 zugenommen hat, ist die Zahl der Polizisten nicht nur gleich geblieben, sie wurden auch mehr in der Terrorabwehr eingesetzt", sagt der CDU-Landtagsabgeordnete. Daher sei dringend mehr Personal nötig. "Die Polizisten müssen außerdem von Büroarbeiten entbunden werden, damit sie sich mehr auf die Polizeitätigkeit konzentrieren können." Er fordert deshalb, mehr Polizeiverwaltungsassistenten einzustellen. Und neue Techniken anzuwenden. "Wenn wir doch wissen, dass viele Einbrecherbanden über die Beneluxländer kommen, brauchen wir eine Schleierfahndung, durch die die Polizisten Kennzeichen auf Autobahnen erfassen können."

So schrecken Sie Urlaubs-Einbrecher ab FOTO: gms
Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leverkusen: Schockierend niedrige Aufklärungsquote


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.