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Leverkusen
See-Not in Hitdorf

Leverkusen: See-Not in Hitdorf
Am Hitdorfer Badesee sollen Schneisen (grüne Markierungen) geschlagen werden, damit die Durchlüftung des Gewässers gesichert bleibt. FOTO: Kossler, Jürgen
Leverkusen. Das ökologische Gleichgewicht im Hitdorfer Badesee ist fast dahin. Wimperntierchen werden zur Gefahr. Von Roman Zilles

Von den Gefahren, die von Wimperntierchen ausgehen, ist eher selten zu hören. Aber obwohl sich ihre Größe in Mikrometern bemisst: Völlig ungefährlich sind die Einzeller nicht. Zumindest für das ökologische Gleichgewicht des Hitdorfer Sees. Dort haben sie sich derart massenhaft vermehrt, dass - nach ihrem Absterben und Absinken auf den Grund des bis zu 16 Meter tiefen Gewässers - ihre Zersetzung viel Sauerstoff verbraucht. Sauerstoff, der anders sinnvoller verwendet werden könnte. Etwa für das Überleben der Fische, die bald zur Winterruhe hinabsinken.

Die "See-Not", für die Wimperntierchen und Co. im Badesee gesorgt haben, steht Ende des Monats im Bezirk I auf der Tagesordnung. Die angedachte Lösung: An mehreren Stellen sollen am Ufer Bäume gefällt werden. Weiden, Robinien, Pappeln. Die meisten davon, so steht es in dem entsprechenden Beratungspapier, mit "sehr geringem Durchmesser", etwa zehn mit "größerem Durchmesser". Auf diese Weise sollen Luftschneisen geschaffen werden, damit der Wind intensiver auf die Gewässeroberfläche einwirkt und so mehr Sauerstoff eingebracht werden kann.

Thomas Langer, Betreiber des Café Strandgut am See und Diplom-Biologe, kennt das Problem und hat sich für die nun ins Auge gefasste Maßnahme eingesetzt. "Das ist ökologisch sinnvoll und hat nichts mit einem Kahlschlag zu tun", sagt er. Zumal eine solche Fällung vor fünf Jahren bereits vorgenommen worden sei und zu einer deutlichen Verbesserung des Gewässers beigetragen habe. "Damals war der Zustand weit dramatischer. Vor allem, weil sich die Kanada-Gänse hier sehr verbreitet und den See durch ihre Ausscheidungen stark belastet hatten", berichtet Langer.

Zwar hätten in der Zwischenzeit eine Änderung des Jagd-Gesetzes sowie kalte Winter für eine deutliche Verkleinerung der Gänse-Schar gesorgt - statt 150 sind es laut Langer nun höchstens bis zu 50 am Tag. Aber das Problem besteht weiter: Vogel-Kot, Wimperntierchen und andere (etwa durch Badegäste eingebrachte) Nährstoffe erhöhen den Verbrauch von Sauerstoff, der dann vor allem in der Tiefe des Sees fehlt. Dies könne zum Absterben von Muscheln oder Krebsen führen und eben auch die Winterruhe der Fische beeinträchtigen.

"Zum Winter hin kommt es durch die Abkühlung zu einer Umwälzung der Wassermassen", erklärt Langer. Und damit das Wasser, das in Kürze von oben nach unten sinkt, möglichst sauerstoffreich ist, könnte eine Maßnahme wie die Baum-Fällung helfen - zumal die vor fünf Jahren geschaffenen Schneisen wieder zugewachsen sind. In diesem Zuge ließe sich gleich eine weitere Ursache für die Schieflage im See bekämpfen.

Denn dort hat sich laut Langer nicht nur das Wimperntierchen, sondern auch der Barsch stark vermehrt. Werden aber nun einige der Bäume, von denen etwa die Weiden schnell wieder austreiben werden, so gefällt, dass sie ins Wasser fallen, bilden sich dort Laichmöglichkeit für andere Fische. "Zum Beispiel für den Hecht", führt Langer aus. Der sei in der Lage, für einen ausgewogeneren Fischbestand zu sorgen.

Quelle: RP
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