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Leverkusen
Seifenkisten-Test im Windkanal

Leverkusen: Seifenkisten-Test im Windkanal
Ein eigens gefertigtes Modell der Seifenkiste testeten die Studenten im Windkanal. FOTO: RTH Köln/Alexander Part
Leverkusen. Wenn sich in genau einer Woche einmal mehr wagenmutige Fahrer in selbstgebauten Wagen beim Edelrather Seifenkistenrennens von der hohen Startrampe in die Tiefe stürzen, gehen auch die Studenten der Rheinischen Fachhochschule (RFH) Köln wieder an den Start. Von Tobias Brücker

Nach einem eher mäßigen Debut im vergangenen Jahr soll diesmal alles besser werden. Dafür bedienten sie sich bei der Entwicklung ihres Wagens einer besonderen Technik.

Ebene jene Technik steht in einem eher unscheinbaren Bau im Hinterhof des Kölner Stadtteils Ehrenfeld, der vor allem als Werkstatt genutzt wird. "Westenberg Engeneering" steht an der Fassade. Im Inneren stehen Geräte, Maschinen und Gerümpel aller Art. Es sieht fast ein wenig unordentlich aus, ein klares Konzept ist nicht zu erkennen.

Das Original soll den jungen Nachwuchswissenschaftlern aus Köln beim Rennen den Sieg bringen. FOTO: RFH Köln

In der Mitte einer der großen Hallen steht schließlich das Objekt, das den Studenten des Maschinenbaus zum Sieg verhelfen soll. Es ist rund zehn Meter lang, eine große in beige und schwarz gehaltene Öffnung führt zu einem Glaskasten, an dessen Ende ein Zylinder abgeht. Dabei handelt es sich um einen Windkanal, rund 300.000 Euro teuer.

"Er kann Windstärken von bis zu 45 Meter pro Sekunde erzeugen", berichtet Zeid Pedros. Der 33-Jährige studiert - wie auch seine Mitstreiter - Maschinenbau an der FH, alsbald wird er seinen Master machen. Und er ist ein Kopf einer insgesamt neun Mitglieder starken Studentengruppe, die im Rahmen einer Projektarbeit an dem Rennen in Edelrath teilnimmt. Peter Wiemer, Professor und Dozent an der Schule, rief damals die Arbeit an den Seifenkisten als Projektarbeit aus, für die im Anschluss daran Noten vergeben werden. Eine Arbeit, die im vergangenen Jahr eher wenig Erfolg verzeichnete, konnten die damals angetretenen Studenten doch nur die letzten beiden Plätze belegen. "Deshalb sind wir es diesmal etwas wissenschaftlicher angegangen", betont Lars Weikert. Der 29-Jährige wird es sein, der den aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellten und rund 40 Kilo schweren Wagen steuern wird., dessen Cockpit perfekt an seine Körpermaße angepasst ist. Das gelang, indem die Studenten ein Modell des Wagens in einem 3D-Drucker erstellten.

Und genau dieses Modell verschwand kurz darauf gut befestigt im Windkanal. Komplett abgedunkelt kann dort Rauch sichtbar gemacht werden, der - durch den Kanal und am Modell vorbei geweht - Verwirbelungen aufzeigt. Ein Sensor, der auch bei Flugzeugen zum Einsatz kommt, misst statistischen und dynamischen Druck, durch den die Windgeschwindigkeit aufgezeigt werden kann. Währenddessen rechnet ein Computerprogramm den Widerstandswert aus. So kann Verbesserungspotenzial aufgezeigt werden.

Da sich die Studenten in ihrer Arbeit für eine weniger langfristige Methode entschlossen, gebe es eine hohe Fluktuation zwischen den gemessenen Widerständen (CW-Wert). "Die Werte schwanken zwischen 0,17 und 0,3", erzählt Pedros. Das seien Ergebnisse, mit denen man sehr zufrieden sein könne. "Die perfekte Form", erklärt Weikert, "ist ein Regentropfen. Der hat einen Wert von 0,2."

Und so ist das Ziel der Gruppe in diesem Jahr klar: Die Schmach vom Vorjahr soll nicht nur ausgemerzt werden, der Sieg in der Profiklasse ist zum Ziel erklärt. Immerhin: Sind der Winkel der Rampe und die Neigung der Straße perfekt, könne die Kiste bis zu 60 km/h schnell werden.

Quelle: RP
 
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