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Leverkusen
Seifenkistenrennen wird zum Studienprojekt

Das war der Seifenkisten-Cup 2016
Das war der Seifenkisten-Cup 2016 FOTO: Ralph Matzerath
Leverkusen. Rund 40 Teilnehmer machten sich diesmal beim Seifenkistenrennen in Edelrath auf die steile Strecke, die von bis zu 5000 Besuchern gesäumt war. Zwar war kaum ein kreatives Modell am Start, dafür aber ein Fachhochschul-Team. Von Gabi Knops-Feiler

Die Wettkämpfe liefen weitgehend geräuschlos und ohne lautes Motorengeheul ab. Ebenso fehlte der so typische Benzingeruch. Und dennoch lag ein Hauch von Renn-Atmosphäre über der 600 Meter langen Strecke in Edelrath: Es war Seifenkistenrennen. Nun schon zum zwölften Mal ausgerichtet von der "Gesellschaft Erholung Edelrath-Uppersberg". Mehrere tausend Besucher - nach Schätzungen von Organisator Tim Feister waren es bis zum frühen Samstagnachmittag rund 5000 - waren an die Strecke und auf die Kirmes gekommen.

An der vier Meter hohen Rampe warteten ab 14 Uhr vor einer Schranke 40 gleichermaßen aufgeregte Seifenkistenliebhaber. Bei Startfreigabe gab es für Kleine und Große nochmal einen kräftigen Adrenalinschub, und schon flitzten sie die selbstgebauten Maschinen - aufgeteilt in die Klassen Junioren, Senioren und Freestyle - den steilen Hang hinunter. Diesmal gab es aber wenig kreative Modelle. Stattdessen waren die meisten auf Schnelligkeit ausgerichtet. Die einzig originelle Kiste - eine Wanne mit Toilette als Anhänger - konnte aus technischen Gründen nicht starten.

Ebenfalls auf Schnelligkeit ausgerichtet waren die beiden Konstruktionen, die von acht Studenten der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH) gebaut und von zwei ihrer Kollegen gesteuert wurden. Tim Feister kommentierte: "Es ist schon etwas Besonderes, wenn diese Fachhochschule zu uns ins kleine Edelrath kommt." Das Ganze war als Studentenprojekt aufgezogen, für das es am Ende auch Noten gab. Als "Platzhirsch" wurde quasi eine aufgeschnittene Regentonne auf die Piste geschickt, bei der Motorhaube und Teile des Hecks mit Fieberglas verdichtet und lackiert wurden.

Doch: Alle Messungen von Eigenschaften wie Aerodynamik, Strömungs- oder Reibungswiderstand halfen nichts. Platzhirsch belegte mit Pilot Christopher Bauerbach nach zwei Läufen den letzten Platz in der Startklasse Freestyle. Der Ingenieur-Student (31) sagte zwar: "Dass ich in meinem Alter noch mal Seifenkistenrennen fahren würde, glaubt mir keiner. Aber ich hatte Riesenspaß." Hingegen staunte Professor und RFH-Vizepräsident Karl-Heinz Brockmann, der zusammen mit Geschäftsführer Thore Eggert und Präsident Professor Dr. Martin Wortmann beim Rennen war: "Dieses Ergebnis haben wir nicht erwartet." Alle hätten fest mit einem Top-Drei-Platz gerechnet. Brockmann: "Heute haben wir viel Lehrgeld gezahlt. Für uns ist das Ansporn, es im nächsten Jahr besser zu machen. Bevor wir wieder angreifen, testen wir die Kiste im Windkanal."

Eine etwas andere Herangehensweise an das Geschehen hatte Maximilian Müller aus Uppersberg. Der Gesamtschüler war zum zweiten Mal beim Rennen mitgefahren und hatte mit "Niesen II" auch nicht besser als im Vorjahr abgeschnitten. Schon nach den Vorläufen war ihm klar, dass er nicht gewinnen würde. Er nahm es gelassen. "Ich fahre mit, weil es mir Spaß macht", sagte der Elfjährige. "Und im nächsten Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei."

Quelle: RP
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