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Leverkusen
Serien-Einbrecher: Hehlerin wollte gestohlenen BMW an Polizei verkaufen

Leverkusen. Bei "Fall vier" schnappte die Falle zu. Zugleich war es der lukrativste "Bruch", den vermutlich eine Bande am 4. September 2015 begangen hat. Insgesamt in neun Fällen glaubt die Staatsanwaltschaft, den zwei 23-jährigen Angeklagten, die sich derzeit vor dem Kölner Landgericht verantworten müssen, die Taten nachweisen zu können. Von Siegfried Grass

Die erste Zeugin, die gestern befragt wurde, war die Mutter einer vierköpfigen Familie, die in besagter Nacht in ihrem Einfamilienhaus von den Einbrechern heimgesucht wurde. Die Frau ging gegen 23 Uhr zu Bett. Ihr Mann war auf der Couch eingeschlafen. Wann er ins Schlafzimmer im ersten Stock gewechselt ist, weiß er nicht mehr so genau. Er hatte als Notfall-Sanitäter gerade einen 24-Stunden-Dienst hinter sich. Als die Frau am nächsten Tag aufstand, sah sie das Desaster: Sie bemerkte sofort, dass in ihr Haus eingebrochen wurde. Den Zugang verschafften sich die Einbrecher durch das Kellerfenster der Waschküche. Den Autoschlüssel für den neuen BMW X1 in der Garage entdeckten sie schnell - und fuhren mit dem Wagen fort. Was sie nicht wussten: Das Auto war mit einem Chip gesichert. Die Polizei konnte es orten. Als dann der Pkw verkauft werden sollte, trat ein Zivilbeamter als Interessent auf. Dabei war die angeklagte Frau, die mit dem Täter einen Sohn hat, die Hehlerin und konnte bei dem vermeintlichen Verkaufsgespräch gefasst werden. Zugleich soll sie bei weiteren Taten Schmiere gestanden haben, wie noch mit Fotos, die die Ermittler gemacht haben, bewiesen werden soll.

Doch das Bargeld, das entwendet wurde - mehrere tausend Euro - will der Angeklagte nicht bemerkt haben. Es war in einer als Aktenordner getarnten Kassette im Keller versteckt. Weg war es auf jeden Fall, wie die Zeugen versicherten.

Am Vormittag des zweiten Verhandlungstages verlas der Richter die Vorstrafen der Angeklagten - eine lange Liste. Der Mann hat sieben Einträge im Bundeszentralregister - von Schwarzfahren bis zur lebensgefährlichen Körperverletzung. Die erste merkliche Strafe ist ein vierwöchiger Jugendarrest. Zuletzt musste der Mann eine dreijährige Jugendstrafe absitzen. Seine Aussichten sind nicht rosig: Permanent droht ihm eine Abschiebung nach Serbien. Er verfügt nur über eine Duldung und hat selbst gegen deren Auflagen verstoßen. So darf er NRW nicht verlassen - war aber dennoch nach Belgien gereist.

Auch die Frau stand zuvor zumindest für vier Vergehen vor Gericht; sie reichten von gemeinschaftlichem Diebstahl bis zu Erschleichung von Leistungen. Zurzeit versucht die zweifache Mutter, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen. Später will sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau machen. Der Vater ihres zweiten Kindes ist ein Mann, der derzeit eine neunjährige Haftstrafe absitzt.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.

Quelle: RP
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