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Leverkusen
Siebenschläfer-TV: Bilder einer Geburt

Leverkusen. Mit einer Webcam beobachtet der Nabu Leverkusen die Nagetiere. Grundschüler können auf Entdeckungstour gehen. Von Marion Meyer

Sie gähnen, sie zappeln, sie räkeln sich genüsslich, bevor sie sich umdrehen und ihren buschigen Schwanz um sich wickeln. Den Siebenschläfer bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Schlafen, zu beobachten, das macht der Nabu Leverkusen möglich. Drei Webcams haben die eifrigen Naturschützer in Maisen-Nistkästen installiert, nachdem die Vögel dort nach dem Brüten ausgezogen sind. Nun also heißt es: Siebenschläfer-TV, und das 24 Stunden am Tag. Jetzt feiern die Macher des Siebenschläfer-TV einen Erfolg: Die Geburt der ersten vier jungen Siebenschläfer quasi vor laufender Kamera. "Das ist das absolute Highlight. Die vier nur fünf Gramm schweren rosafarbenen Jungen sind heute morgen geboren worden", meldete NaBu/BUND-Sprecherin Regine Kossler gestern: "Dank der live-webcam konnte die Geburt weltweit erstmals live im Internet beobachtet werden." Für alle, die das verpasst hätten, in der nächsten Woche wird es ein ein Video mit den spannendsten Momente geben: "http://nabu-leverkusen.de/wir-ueber-uns/projekt-siebenschlaefer/videos". Das Besondere dieses Mal: Wahrscheinlich hielt sich ein Siebenschläfer-Weibchen während der Geburt in dem Nistkasten auf.

Mittlerweile hat das Projekt schon Fans in mehr als zwölf Ländern. Selbst in China, Litauen und Costa Rica hat man sich schon zugeschaltet. Die Idee kam den Leverkusener Naturschützern, als sie vor zwei Jahren die Nistkästen kontrollierten und die Siebenschläfer darin fanden. "Sie sind so possierlich. Man könnte sie mit einem Eichhörnchen verwechseln", sagt Erich Schulz, Vorsitzender des Nabu Leverkusen. Er schätzt, dass mittlerweile rund 20 Tiere in Leverkusener Wälder leben - ungewöhnlich, da sie normalerweise eher in Süddeutschland vorkommen. Wo genau sich die Nistkästen befinden, verrät Schulz nicht, zum Schutz der Tiere und der Technik. Denn relativ aufwendig war es, die drei Kameras zu installieren. Und wie der englische Name "edible dormouse" verrät, gilt der Siebenschläfer vor allem in östlichen Ländern als Delikatesse. Das zweijährige Projekt wurde von der Stiftung Natur und Umwelt mit 58 000 Euro gefördert. Vergangenes Jahr hat der Nabu in einem Testlauf zunächst einfache Kameras in den Kästen installiert; die Siebenschläfer zerknabberten jedoch die Leitungen. Nun sind die neuen Kameras mit einer Glasplatte von den Nagetieren geschützt und senden ihre Bilder via Wlan.

Dass die Siebenschläfer, die so heißen, weil sie sieben Monate Winterschlaf halten, überhaupt in Nistkästen ziehen, liegt laut Projektkoordinatorin Regine Kossler vom Nabu an dem mangelnden alten Baumbestand in Leverkusener Wäldern. "Die Siebenschläfer nisten normalerweise in Baumhöhlen", sagt Kossler.

Den Leverkusener Grundschule bietet der Nabu an, das Projekt hautnah kennenzulernen. Zunächst erzählt ein Nabu-Mitglied etwas in der Schule über Projekt und Nagetier, danach geht es zum Ausflug in den Wald. "Dort widmen wir uns nicht nur den Siebenschläfern, sondern auch dem Thema Artenvielfalt", erklärt Kossler. Wer wüsste zum Beispiel schon, dass 1000 Arten von Insekten in einer Eiche leben?

Wer die Siebenschläfer live beobachten möchte, kommt über die Website nabu-leverkusen.de auf die Webcam. Auch auf Facebook wird das Projekt unter "Familie Siebenschläfer - geheimnisvolle Nachtschwärmer" begleitet.

Quelle: RP
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