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Burkhart Klaußner
"Singende Frauen prägten meine Kindheit"

Burkhart Klaußner: "Singende Frauen prägten meine Kindheit"
Heute im Forum zu Gast: Schauspieler Burghard Klaußner. FOTO: Martin Steffen
Leverkusen. Heute, 19.30 Uhr, gastiert der Schauspieler, Hörbuchsprecher und Sänger Burghart Klaußner mit einem literarisch-musikalischen Programm über Hanns Eisler bei KulturStadtLev im Forum Agam-Saal. Es gibt noch ein paar Karten.

Das Publikum kennt Sie vor allem als Schauspieler aus Filmen wie "Goodbye, Lenin", "Das weiße Band", als Richter in Ferdinand von Schirachs "Terror" und aus diversen TV-Krimi-Formaten. Ich wusste nicht, dass Sie auch singen.

Klaussner Da können Sie am Freitag Ihr blaues Wunder erleben. In die Musik tauche ich total ein, das ist ein riesiges Feld für mich. Ich habe auch eine Band, da spielen wir zum Beispiel Swing. Zehn Jahre lang war ich mit einem französischen Chanson-Programm unterwegs.

Woher kommt denn Ihre Liebe zur Musik?

Klaußner Meine Oma kam aus dem Rheinland, meine Mutter aus Oberhausen. Sie wissen, wie da gesungen wird, da gibt es kein Halten. Meine Kindheit war geprägt von singenden Frauen. Die sangen alles Mögliche, auch alte Küchenlieder und Karnevalsgesänge. Die sollte ich vielleicht mal in ein Programm aufnehmen. Fünf Jahre habe ich in Köln gelebt und dort gelernt, wie Karneval geht. In Hamburg, wo ich heute wohne, können die Leute wenig damit anfangen.

Warum haben Sie Hanns Eisler gewählt?

Klaußner Der Abend, den wir im Forum machen, ist außerordentlich bemerkenswert, denn Eisler ist ein vor Intelligenz sprühender Mann gewesen. Seine Gespräche mit dem berühmtesten DDR-Germanisten Hans Bunge, dessen Part mein Hamburger Kollege Tilo Werner liest, gehören zum Klügsten, was ich je über die Kunst im 20. Jahrhundert gehört habe. Und zugleich ist es sehr erfrischend, weil Eisler über einen wachen Geist und scharfzüngigem Humor verfügte. Das macht es höchstvergnüglich, wenn er über Künstlerkollegen wie Thomas Mann, Bertold Brecht oder Charlie Chaplin spricht. Zuschauer sagten, sie fühlten sich anschließend wie frisch geduscht.

Woher kommt der Titel "Fragen Sie mehr!"?

Klaußner So forderte Hanns Eisler seinen Interviewpartner Hans Bunge auf, den Dialog weiterzuführen, der als "Rundfunkgespräche" gesendet wurde. Ich habe Schallplattenaufnahmen davon gehört mit diesem quecksilbrigen, lebendigen Eisler, den es kaum auf dem Stuhl hält. Später erschienen die Gespräche als Buch, darauf basiert die Lesung mit Musik.

Die Lesung wird unterbrochen durch einige Musikbeispiele von Hanns Eisler.

Klaußner Als Musiker steht Hanns Eisler heute ja nicht gerade in vorderster Linie, vielleicht weil er die DDR-Hymne komponiert hat. Ich werde jedenfalls einige Lieder von ihm singen und dabei von dem hervorragenden Pianisten Matthias Stötzel begleitet. Das Besondere an Eislers Liederdichtung ist, dass in der Hoffnung auf eine bessere Welt schon untergründig eine Melancholie des Scheiterns mitschwingt.

Ihre Vorlesestimme schätzten viele Hörbuch-Fans. Ist da ein Neues geplant?

Klaußner Immer wieder gerne. Ich habe gerade ein neues Buch aufgenommen, das demnächst erscheinen wird: "Olga" von Bernhard Schlink. Mit der Biografie von Wolf Biermann war ich kürzlich auf Lesereise, weil Biermann fand, das könne nur von Klaußner vorgelesen werden. Nächstes Jahr werde ich selber eine Erzählung veröffentlichen bei Kiepenheuer und Witsch. Es ist eine Geschichte, eine Art Anekdote oder Harlekinade aus dem letzten preußischen Krieg. Aber mehr wird noch nicht verraten.

MONIKA KLEIN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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